Montag, 19 Januar 2015

Ein Land voller Überraschungen

Die erste Bäuerinnen Agrarreise, zu der die Südtiroler Bäuerinnenorganisation eingeladen hatte, ging nach Marokko. Einem Land, das vor allem eines ist: bunt und vielfältig.

Das Gedränge auf den Märkten ist genauso auf- und anregend wie die Ware, die hier angeboten wird: Vom Gewürz bis hin zum Kühlschrank ist hier alles zu finden. Beim Kauf sind Geschick im Verhandeln genauso gefragt wie ein gutes Auge für Qualität, um den redegewandten Verkäufern nicht ganz ihren Charme erliegen zu müssen. Die Vielfalt der Märkte spiegelt sich auch in der Vielfalt des Landes wieder. Oder umgekehrt. In den Wüsten, die etwa 20 Prozent des Landes bedecken, türmen sich bis zu 100 Meter hohe Dünen auf, das Atlasgebirge mit seinen über 4.000 Meter hohen Gipfeln ist ein beliebtes Sktizourenziel, während das marokkanische Mittelmeer mit seiner 3000 Meter langen Küste Badegäste aus aller Welt anlockt.

Das rote Gold der Bauern: Safran

Und nicht zu vergessen die fruchtbaren Oasen, in welchen Mitte in der Wüste dank Bewässerungsssystem Datteln, Orangen, Bananen, Gewürze aller Art oder Safran wachsen. Eines der größten Safran-Anbaugebiete der Welt liegt im Atlasgebirge von Marokko. Bauern und Bäuerinnen ernten hier im Herbst die Blüten und fertigen aus den roten Stempeln das Gewürz an. Bis zu 200.000 Blüten benötigen sie für ein Kilo Safran.

38 Kilo Nüsse und 10 Arbeitstunden für ein Liter Arganöl

Genauso aufwändig in der Herstellung ist auch die Gewinnung vom Arganöl. Nicht umsonst wird es das rote Gold der Bauern genannt. Die Jahresernte eines Baumes ergibt einen Liter Öl dafür sind 38 kg Nüsse. Arganöl ist wegen seiner ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen und Antioxidantien als kosmetisches und medizinisches Wundermittel bekannt. Fast ausschließlich Frauen sind am Prozess der Gewinnung beteiligt. In sogenannten Frauenkooperativen haben sie sich zusammengeschlissen und erwirtschaften dadurch einen beachtlichen und überlebenswichtigen Anteil des Familieneinkommens. Je nach Saison beschäftigt die Kooperative mehr oder weniger Frauen. Stundenlang sitzend, einen kleinen Stein in der Hand, einen großen vor ihren Füßen. Die Frauen nehmen jede einzelne Nuss in die Hand, schlagen sie mit einem Stein auf, klauben die Samen raus und rösten sie ehe sie mit einer Steinmühle zu einer Paste gemahlen werden. Aus dieser wird dann mit Wasser und bei ständigem Kneten das goldfarbene Öl extrahiert.

Nomaden, Hirten und Teppichverkäufer, Armut

Die Männer der Berberfrauen, dem uralten Volk Marokkos, arbeiten als Hirten im Atlas, als Teppichverkäufer in der Stadt oder haben sich vielleicht mit einem kleinen Laden selbständig gemacht. Die Kinder helfen meist zuhause mit. Vor allem im Inneren des Landes, wo noch etwa 40.000 Nomaden leben, müssen die Kinder – trotz Schulpflicht – überall mitanpacken. Das trägt dann dazu bei, dass es noch viele Analphabeten in diesem Land gibt. Doch viele Junge wollen in die Stadt und geben das Nomadensein auf. Einmal Nomade – immer Nomade – nicht mehr ganz so selbstverständlich. Im Gegenteil: Lebten früher 70 % der Menschen auf dem Land, so leben jetzt 60 % der Menschen in der Stadt. Damit geht Marokkko nicht nur ein wichtiger Teil der Tradition des Landes verloren, sondern auch viel fruchtbares Land, das die Nomaden bestellen und um welches sie sich mit ihren Tieren kümmern. Erschwerend kommt hinzu: Das Armutsproblem verlagert sich damit vom Land in die Stadt.

Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen

Eine zusätzliche Herausforderung für das Land, das ohnehin schon mit vielen anderen Herausforderungen, vor allem in der Landwirtschaft kämpft. Das Land ist vom Regenwasser abhängig. Bleibt der Regen aus, kann nicht geerntet werden. Das macht die Planbarkeit einer Familie und eines Wirtschaftszweiges unmöglich. Zwar versucht die Regierung unter König Mohammes VI mit den Bau von Wasserbecken und Staudämmen diesem Problem so gut es geht entgegenzuwirken, aber auch diese Vorrichtungen sind vom Wasser abhängig. Und wenn es dann regnet, dann kräftig. In kürzester Zeit verwandelt sich dann die trockene Erde in fruchtbares Land – sofern sie nicht vom starken Regen weggespült wird. Doch egal wie das Wetter ist, wie die Ernte ist, die Menschen stahlen eine Ruhe und Zufriedenheit aus die jeden, der von außerhalb kommt, das Gefühl gibt, die Welt ist in Ordnung. Egal was passiert. Nicht umsonst ist Die Vielfalt dieses Landes ist „inshalla“ der häufigste genannt und zitierte Satz: So Gott will. Die erste Bäuerinnen Agrarreise ein Erlebnis voller Überraschungen in jeder Hinsicht. Und vielleicht behält der amerikanische Schriftsteller Paul Bowles recht, der über Marokko schrieb: „ Wer einmal dem Zauber des gewaltigen gleißenden Landes erlegen ist, dem ist kein anderer Ort kraftvoll genug. Er wird wiederkehren.“

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