Soziale  Landwirtschaft

Soziale Landwirtschaft

Den Blick aufs Gesamte richten, nicht nur auf den Hof, auf die landwirtschaftlichen Produkte und die Arbeit, sondern auf die Nahrung, auf die Natur, auf das Wohlbefinden, auf das Menschsein – Soziale Landwirtschaft.

Soziale Landwirtschaft ist eine große Chance – nicht nur für die bäuerlichen Betriebe und die Landwirtschaft, sondern für die Gesellschaft allgemein: Menschen mit besonderen Bedürfnissen wie Senioren, Kinder oder Menschen mit Beeinträchtigung brauchen besondere Beachtung. Sie brauchen (Be)Achtung, eine sinngebende Aufgabe und Menschen, die für sie da sind. Der Bauernhof mit seinen darin lebenden Menschen kann für diese Menschen eine Möglichkeit sein, um eigene Talente, Fähigkeiten zu entdecken oder zu fördern oder einfach angenommen zu werden. Bäuerinnen und Bauern haben die Möglichkeit, den landwirtschaftlichen Betrieb für besondere Bedürfnisse zu öffnen um damit eigene Stärken und Talente zum Wohle der Gesellschaft und des Betriebes zu entfalten.

Was bedeutet eigentliche Soziale Landwirtschaft?

Die Soziale Landwirtschaft bezieht sich auf gesundheitsvorsorgende und gesundheitsfördernde Intervention für Menschen mit Hilfe von Tieren, Pflanzen und Natur. Das Ziel der Sozialen Landwirtschaft ist das soziale, geistige und pädagogische Wohlergehen von Menschen zu unterstützen und zu verbessern. Ganz konkret ist hier von Dienstleistungen in der Sozialen Landwirtschaft die Rede: Pädagogik oder Umwelterziehung sowie Betreuung, Arbeitsintegration und sozialer Inklusion. Das Arbeitsfeld Landwirtschaft kann zur Gesundung bzw. Stabilisierung des Lebens beitragen.

Gesetzliche Voraussetzungen

Das nationale Netzwerk der Sozialen Bauernhöfe und das nationale Forum der Sozialen Landwirtschaft waren hauptverantwortlich für die Einführung des italienischen Rahmengesetztes zur Sozialen Landwirtschaft. Es legt die Mindestanforderungen für die Betreiber, die Zusammenarbeit mit privaten und öffentlichen Einrichtungen sowie die Fördermöglichkeiten fest. In Südtirol wird derzeit an einem Entwurf für ein Landesgesetz zur Sozialen Landwirtschaft und einer entsprechenden Durchführungsverordnung gearbeitet. Ziel ist es, den Bauernhof als Solidargemeinschaft für die Zukunft zu stärken, die Rahmenbedingungen festzulegen und die Tätigkeit rechtlich abzusichern. Die sozialen Tätigkeiten am Bauernhof werden zur landwirtschaftlichen Arbeit gerechnet und so wird eine Einkommensperspektive für die bäuerlichen Familien geschaffen.

Potentiale der Sozialen Landwirtschaft

Arbeitsort Bauernhof: Unter dieser Kategorie werden Projekte eingeordnet, deren inhaltlicher Fokus auf den Themen Qualifizierung, Beschäftigung und Arbeitsmarktintegration liegen.

Bildungsort Bauernhof: Diese Kategorie vereint Projekte, deren Fokus auf der Wissensvermittlung sowie auf der Betreuung und dem Erfahrungslernen liegen.

Gesundheitsort Bauernhof: Gesundheitsförderung und Prävention sind die Schwerpunkte von Projekten, die dieser Kategorie zugeordnet werden.

Lebensort Bauernhof: Projekte, in denen Betreuung und Wohnen im Mittelpunkt stehen, werden unter dieser Kategorie zusammengefasst.

Was gibt es in Südtirol bereits?

Die Soziale Landwirtschaft ist in Südtirol nicht neu: Es gibt bereist Angebote im pädagogischen Bereich. Die Südtiroler Bäuerinnenorganisation hat im Jahr 2006 mit der Gründung der Sozialgenossenschaft Mit Bäuerinnen lernen – wachsen – leben einen wichtigen Meilenstein gesetzt. Seit 2007 bietet sie Kinderbetreuung an und seit 2014 die Seniorenbetreuung. Schule am Bauernhof gibt es seit 2006, im selben Jahr wurde auch das Dienstleistungsportal der Südtiroler Bäuerinnenorganisation gegründet, deren Ziel die Wissensvermittlung und die Bewusstseinsbildung ist, beispielsweise als Bäuerinnen Botschafterinnen, als Bäuerinnen Referentinnen oder als Hof - und Gartenführerinnen.

Soziale Landwirtschaft als Ergänzung zum bestehenden Angebot

Die Soziale Landwirtschaft am Bauernhof ist eine Ergänzung zu bestehenden Angeboten. Kooperationen mit anderen sozialen Dienstleistungen im Lande tragen zum Erfolg bei: sie ergänzen sich, sie entlasten, sie bieten mehr Möglichkeiten – im Blick immer das Wohle der Menschen, die die Leistung in Anspruch nehmen wollen. Die Zusammenarbeit zwischen Sozialem und Landwirtschaft wird mit dem neuen Gesetz zur Sozialen Landwirtschaft verstärkt werden. Mit bestehenden und neuen Partnern werden aktuelle Angebote entwickelt und gemeinsam neue, wertvolle Konzepte kreiert. Neue Perspektiven eröffnen sich hier sowohl für Bäuerinnen als auch für Betroffene, neue Perspektiven, die sich einfügen in ein bestehendes Netz an Unterstützungen, Hilfen und Angeboten. Wichtig dabei ist die öffentliche Unterstützung, denn ohne öffentliche Unterstützung können soziale Dienstleistungen kaum nachhaltig betreiben werden.

Voraussetzung für ein qualitatives Angebot: soziale Ader, Ausbildung und Akkreditierung

Die Basis für Dienstleistungen im Bereich der Sozialen Landwirtschaft ist neben der „sozialen Ader“ die Liebe zum Menschen sowie der Respekt und die Achtung vor dem Menschen.  Aber auch das Können, mit besonderen Bedürfnissen umzugehen, ist notwendig. Dieses wird durch eine Ausbildung garantiert, die die Bäuerin/ der Bauer bereits mitbringt oder sich aneignet. Die Angebote der sozialen Landwirtschaft werden von einer externen Stelle akkreditiert, um eine gute Dienstleistung garantieren zu können.

Eins ist das Ganze

Wenn ältere Menschen und Kinder in ihren Dörfern bleiben können und dort gut und liebevoll versorgt werden, bedeutet dies Lebensqualität und Zukunft für und auf dem ländlichen Raum. Wenn positive Eigenschaften von Natur und Tier ergänzend eingesetzt werden können, bedeutet das Wohlbefinden und Lebensfreude. Wenn Integration am und durch den Bauernhof leichter funktionieren kann, bedeutet das Erfolg für die gesamte Gesellschaft.

ÖFFNUNGSZEITEN

Mo - Fr von 08:00 - 12:00 Uhr

Do von 14:30 - 16:00 Uhr

(außer Anfang Juli bis Anfang September)

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