Hiltraud Neuhauser Erschbamer

Die Frauen haben eine Schlüsselrolle am Hof

Für die Rentenabsicherung der Frau fordert die Landesbäuerin endlich Bewegung, das Bewusstsein der 16.000 Bäuerinnen im Land will sie weiter stärken, denn sie weiß: Ohne Frauen geht am Hof gar nichts. Sie sollen leben, nicht überleben.

Wenn Hiltraud Erschbamer durch ihren Bauerngarten streift, die selbst gezüchteten Paradeispflänzchen sanft berührt, die alten Rosensorten genau ansieht, dann ist sie mehr als sichtbar: ihre große Liebe zur Natur. Das Wachsen von Beginn an, das Züchten und Austreiben, das fasziniert die amtierende Landesbäuerin. „Schon in der Schule habe ich am liebsten Geschichte gemacht. Mich fasziniert zu wissen, woher was kommt, wer das alles aufgebaut hat.“

„Hierher geheiratet zu haben und Landesbäuerin zu sein, das waren zwei entscheidende Ereignisse in meinem Leben“, erzählt die Bäuerin vom Bracherhof. Dass es keine Frau mehr am Hof in Vilpian gab, die Schwiegermutter schon verstorben war, als sie einheiratete, „das hat man sehr gemerkt. Es gab keine Frau mehr im Haus. Alles war auf das Wesentliche herunterreduziert. Es gab zwar ein Hausmädchen, aber das ist nicht dasselbe.“ Ohne Bäuerin kein lebendiger Hof, das betont die Kräuterpädagogin und Expertin alter Gemüsesorten während des Gespräches immer wieder.

„Dabeisein, mitgestalten, organisieren, bereitstellen“, das macht das Leben auf einem Bauernhof bunt und vielfältig. Mitbekommen hat die Etschtalerin diese Fähigkeiten von ihrer Mutter und Großmutter. Heute kann sie das damals Gelernte bestens verwenden. Und zwar für ihre Aufgabe als Landesbäuerin, der sie seit 2011 nachkommt. „Ich bin am liebsten Bäuerin“, sagt die 57-Jährige wie aus der Pistole geschossen, „wir Bäuerinnen leben in einem Paradies, das muss uns nur bewusst sein.“ An diesem Bewusstsein will Erschbamer arbeiten. Sie will, dass jeder Bäuerin klar ist, dass sie ihre Fülle selbst erschaffen kann. Ob als Vollerwerbsbäuerin, Urlaub-auf-dem Bauernhof-Anbieterin oder Tagesmutter. Ob Bäuerin, Botschafterin, Seniorenbetreuerin, Garten- oder Hofführerin, Bäuerin-Referentin, Brotzeit-Anbieterin, Direktvermarkterin oder Schule-am-Bauernhof-Anbieterin – für Erschbamer gibt es etliche Möglichkeiten, wie Bäuerinnen sich selbst verwirklichen können. „Die Frauen müssen eine Zukunft auf den Höfen sehen. Daran müssen wir als Organisation arbeiten. Es hängt wesentlich an der Frau, ob der Hof zukunftsfähig bleibt oder nicht. Die Frauen haben eine Schlüsselrolle draußen auf den Höfen.“

Als Vereinsmensch wird Erschbamer in Terlan groß: Jungschar, Bauernjugend, Theaterverein, Volkstanzgruppe, Schützenkompanie, Katholische Frauenbewegung, Bäuerinnenorganisation. Traditionen sind wesentlich für sie, „mein Mann und ich sind uns da absolut ähnlich. Diese Vereine haben mich immer in meiner Wertevorstellung bestätigt, sie haben mir Halt und Orientierung gegeben. Gemeinschaft zu erleben, das gibt meinem Leben einen Sinn.“ Der Halt, die Handschlagqualität, die Verantwortung – das sind Werte, die Erschbamer in ihrer Familie zu Hause und in ihrer erweiterten Familie bei den Südtiroler Bäuerinnen weitergeben will. Und sie setzt da an, wo momentan eine Lücke klafft: die fehlende Großfamilie. „Es ist heute schon eine Realität“, erklärt die Landesbäuerin. „Immer mehr Frauen, die mit einem Bauern zusammen sind, kommen nicht von der Landwirtschaft. Sie können auf keine Erfahrung zurückgreifen, die Großfamilie fehlt. Diese Bäuerinnen müssen wir verstärkt auffangen, ihnen Perspektiven geben. Ein Rüstzeug quasi, damit die Arbeit und das Leben am Hof Freude bereitet und gelingt.“ Aus- und Weiterbildungen sind hier entscheidend, aber auch die Fähigkeit, das Arbeitspensum, das es auf einem Hof zu bewerkstelligen gilt, reell einzuschätzen. „Aus diesem Grunde wollen wir im Herbst mit der Bäuerinnenschule starten, einer Ausbildung für Frauen, welche nicht von der Landwirtschaft kommen und in diese gehen wollen.“ So bereichernd die vielfältige und unterschiedliche Arbeit am Hof auch ist, so belastend kann sie auch werden. „Wenn ich zum Beispiel Kinder großziehen soll, Kühe im Stall habe, die gemolken werden wollen, Urlaub auf dem Bauernhof anbiete und einen Mann habe, der auswärts zum Arbeiten geht, dann muss ich mich als Bäuerin sehr gut organisieren“, weiß Erschbamer. Die eigenen Bedürfnisse dürften auf keinen Fall zu kurz kommen, resümiert die Landesbäuerin, „sonst ist die Lebensqualität dahin.“

Mühe scheut sie keine, Zeit ins Landesbäuerinnen-Sein investiert sie viel. Erschbamer sagt: „Mit der Zeit hab ich mich für dieses Ehrenamt verkalkuliert, die hab ich unterschätzt“, und dann lacht sie. Arbeit muss eben sein, Bäuerin sein heißt, anpacken, wenn’s braucht. Da sein eben. Für die fast 16.000 Mitglieder der Südtiroler Bäuerinnenorganisation will die Landesbäuerin darauf achten, dass sie ein gutes Leben haben, und Rahmenbedingungen schaffen, die den Frauen auf den Höfen Zukunftsperspektiven bieten. „Ich arbeite im Haus und im Feld, und ich mache beides von Herzen gerne“, so Erschbamer. In ihrem Ausweis steht deswegen die Berufsbezeichnung „Bäuerin“.

Auf der Agenda der Landesbäuerin steht derzeit auch ein anderes Thema: die Rente der Frau. Und entschlossen sagt sie: „Die Rentenabsicherung von Frauen, die ihre Kinder und ältere Menschen zu Hause betreuen, ist immer noch unzureichend. Die Zeit, hier etwas zu ändern, ist mehr als reif.“

Zum Bäuerinnen-Sein gehört vieles: Vision, Aussaat, Geduld, Pflege, Ernte. Das eine greift ins andere über. „Wir ernten, was wir säen“, heißt ein Motto der Südtiroler Bäuerinnen. Dem will Hiltraud Erschbamer gerecht werden. Eine Saat liegt ihr besonders am Herzen: Das Bewusstsein der Bäuerinnen um ihre Vielfältigkeit, das eine unendliche Kraftquelle ist.

Quelle: Festschrift 35 Jahre SBO

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