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Samstag, 26 Juni 2021

Von Pionierarbeit bis zur Zoomsitzung

In 40 Jahren Südtiroler Bäuerinnenorganisation ist viel passiert: Viele Bäuerinnen habe Großes geleistet, viel bewegt und mit großem Herz den ländlichen Raum bereichert - wie der Rückblick der vier Bezirksbäuerinnen aus dem Vinschgau zeigt.

Rosl Debiasi, Christina Bernhart, Monika Rechenmacher und Ingeborg Rechenmacher: Diese vier Frauen haben in den letzten 40 Jahren die Geschicke der Bäuerinnen im Vinschgau gelenkt. Jede von ihnen hat ihre Zeit als Bezirksbäuerin mit viel Mut, Lust am Neuen, Liebe zur Landwirtschaft und Begeisterung für die Themen der Bäuerinnen mitgestaltet. Egal ob Aus- und Weiterbildung, Austausch mit anderen Bäuerinnen im In- und Ausland, Zusammenarbeit mit den bäuerlichen Organisationen sowie anderen Frauen- und Familienverbänden, Projekte für Zu- und Nebenerwerb der Bäuerinnen, Stärkung der landwirtschaftlichen Produkte: spricht man mit den Bezirksbäuerinnen aus dem Vinschgau dann zeigt sich, dass es von Anfang an um diese wesentlichen Arbeitsschwerpunkte ging.

Der Angang war für alle schwer, alles war Neuland. Durch Kurse und Seminare haben sich die Bäuerinnen fortgebildet und sie freuten sich über jeden Erfolg, erzählt Rosl Debiasi: „Mein Ziel war immer, durch die Information das Selbstbewusstsein der Bäuerin zu stärken. Sie soll stolz sein auf das, was sie ist, sie soll ihren Stand vertreten und sich nicht als eine minderwertige Frau ansehen.“ Neben den Weiterbildungsveranstaltungen war für Rosl Debiasi auch das Angebot der Erholungswochen der Bäuerinnen sowie die Treffen mit den Bäuerinnen aus Österreich und der Schweiz wichtig, um so die Bäuerinnen von ihren Höfen „zu holen“. Ein anderes Thema lag ihr auch am Herzen, und zwar die Einführung der Bräuche und das Tragen der Tracht. In ihrer Zeit wurde auch die Witwenehrung eingeführt, ein Projekt, welches bis heute Bestand hat. Ein großer Erfolg war für Rosl Debiasi die Gründung von über 12 Ortsgruppen. Nach 14 Jahren Aufbauarbeit konnte sie ihre Arbeit mit Freude an ihre Nachfolgerin übergeben: „Unvergessen bleiben für mich die Zufriedenheit, die Freude im Gesicht der Bäuerinnen nach unseren Treffen. Das war für mich immer der größte Lohn und Dank für meinen Einsatz, ein großes Geschenk!“

Auf Rosl Debiasi folgte Christina Bernhart. Sie suchte stets die gute Zusammenarbeit mit den bäuerlichen Organisationen. Die Bäuerinnenorganisation hatte sich inzwischen zu einer Organisation entwickelt, die gerne gesehen, ernst genommen und um Rat und Hilfe gebeten wurde. Die Bäuerinnen waren plötzlich gefragt. Auch Christina sorgte für Weiterbildungsangebote in Zusammenarbeit mit der Fachschule für Hauswirtschaft, organisierte Lehrfahrten in die Nachbarbezirke und in den oberitalienischen Raum und pflegte den Austausch mit den Bäuerinnen aus Bayern und der Schweiz, um den Horizont zu erweitern. Die Treffen mit den Bäuerinnen war für Christina stets wertvoll: „Gut in Erinnerung sind mir die Landesbäuerinnentage als besonderer Tag der Bäuerin geblieben.“ Ein schönes Projekt war das Buch „Vinschger Köstlichkeiten“ in Zusammenarbeit mit der Erzeugergenossenschaft VIP und fleißigen Bäuerinnen. Die Initiative für die Errichtung einer Direktvermarktungsstruktur für bäuerliche Produkte im Vinschgau startete auf einem Bezirksbäuerinnentag. Im Jahr 2005 wurde der Vinschger Bauernladen in Naturns eröffnet und die ehemalige Bezirksbäuerin ist heute noch Obfrau dieser Genossenschaft.

Monika Rechenmacher war die dritte Bezirksbäuerin im Vinschgau. Sie bemühte sich stets, ein Bindeglied zwischen Land-, Bezirk- und Ortsebene zu sein. Auch sie war überzeugt, dass die Frauen und Bäuerinnen durchs Information und Wissen gestärkt werden können. Sie machte den Bäuerinnen Mut, sich auch öffentlich zu engagieren, z.B. in der Gemeindepolitik, um so mitreden und mitentscheiden zu können. Wichtig war ihr auch ein freundschaftliches Mit- und Füreinander auf Augenhöhe.
In guter Erinnerung hat Monika so manche Ortbäuerinnenratswahl, die unkompliziert oder auch schwierig waren. Es sei aber immer vorangegangen, die Bäuerinnen hätten immer Zusammenhalt bewiesen. Monika Rechenmacher bezeichnet die Zeit bei der SBO als einen Teil ihres Lebens mit vielen freundschaftlichen Begegnungen. Eines der prägendsten Erlebnisse war die Fahrt mit Monika Hauser in den Kosovo im Juli 2006. Die prekäre wirtschaftliche und humane Notlage der dortigen Bäuerinnen hätten ihr gezeigt, wie wichtig starke Bäuerinnen-Netzwerke sind, die sich untereinander helfen und stützen.Eine erfolgreiche Hilfsaktion der SBO wurde gestartet. Als Trachtenschneiderin war Monika das Nähen und Tragen der Tracht ein großes Anliegen. Sie war auch eine der Initiatorinnen des Trachtenbuches „Inser beschtes G’wond“.

Monikas Nachfolgerin, die heutige Bezirksbäuerin Ingeborg Rechenmacher hat dann bei der Realisierung des Buchprojektes „Inser beschtes G`wond“ mit Begeisterung mitgewirkt. Das Amt der Bezirksbäuerin ist für Ingeborg ein bedeutender Meilenstein in ihrem Leben. Die Arbeit mit den Bäuerinnen hat ihr Lebenswelten eröffnet, wertvolle Begegnungen mit Menschen und schöne Erlebnisse beschert, die sie sonst nie gehabt hätte. „Die Zeit in der SBO hat mich reifen lassen, hat mir Werte vermittelt und meinen Horizont erweitert“, sagt Rechenmacher. Das Thema Aus- und Weiterbildung sowie die Vernetzung der Bäuerinnen und Frauen sind ihr ebenso wichtig wie die gute Zusammenarbeit mit den anderen Frauenverbänden. Rückblickend erinnert sich Ingeborg Rechenmacher an viele schöne Projekte mit den Bäuerinnen: Mitgestaltung beim SBO-Bäuerinnenkalender, die Handarbeitsausstellungen, die Bezirkswallfahrten, das Bezirkskartenspiel, der Austausch mit der Tiroler Bäuerinnenorganisation Bezirk Landeck und viele mehr.
„Ich habe zum einen viel Bewährtes von meinen Vorgängerinnen übernommen und zum anderen innovative Ideen aufgegriffen. Mein Wunsch war es, ein paar neue Akzente zu setzen, da nun jüngere Frauen in die Ortbäuerinnenräte kamen, was mich sehr freute“, sagt Ingeborg Rechenmacher und lädt seit kurzem die Bäuerinnen zu Zoom-Sitzungen ein.

Bäuerinnen scheuen die neuen Technologien nicht und nützen sie für ihre Netzwerkarbeit in einer Organisation, die sich bereits seit über 40 Jahren ehrenamtlich engagiert.

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