Mittwoch, 28 März 2018

Der geschätzte Wert des Lebens

Beim 5. Vinschger Wertetag Anfang März in Schlanders ging der Veranstalter Xpand gemeinsam mit drei namhaften Referenten und dem Moderator Manfred Schweigkofler der Frage nach, wie die Gesellschaft von heute andere Menschen wertschätzt, wie deren Wert definiert wird und welchen geschätzten Wert das Leben überhaupt hat. Zahlreiche interessierte Zuhörer waren zum 5. Wertetag in das Kulturhaus Karl Schönherr gekommen; für kreative Einlagen sorgte die Jugendgruppe der Christengemeinde von Schlanders.

Vom Schatz der Werte

Für den bekannten ZDF-Journalisten und Autor Peter Hahne aus Berlin ist das Leben auch ohne Leistung wertvoll, doch nur im Christentum gibt es diese bedingungslose Wertschätzung. „Beim Jüngsten Gericht wird der Wert eines Menschen von Gott gemessen, denn bei Gott müssen wir keine Medaillen gewinnen“. Hart ins Gericht ging Peter Hahne mit der Politik. „Je weniger Menschen selbst an Persönlichkeit zu bieten haben, umso größer ist das Denkmal, das sie sich setzen. Dabei würde das Leben nach den Zehn Geboten und der Bergpredigt unsere Gesellschaft total verändern“. Es gelte auch, die Werte unserer Eltern wieder zu neuem Leben zu erwecken. Kinder brauchen wieder mehr Vorbilder und weniger Vorschriften. Wenngleich es Peter Hahne durch seine Rhetorik gelang, das Publikum in seinen Bann zu ziehen, waren einige seiner Aussagen widersprüchlich und nicht im Sinne seiner gepredigten Wertschätzung. Zum Thema Gender stellte er dem Bleistift die Klobürste gegenüber und die Missbrauchsdebatte in der Kirche verharmloste er angesichts anderer Gräueltaten auf der Welt.

Werte und Politik

Die Landtagsabgeordnete Maria Hochgruber Kuenzer hat ihre Kindheit und Jugend auf Werten basierend erlebt und Wertschätzung nie mit Leistung, Statussymbolen oder Facebook-Freunden verbunden. Es sei ein Trugschluss zu glauben, man könne durch Geld und Haben mehr erreichen als durch das Sein. Vertragen sich Werte in der Politik? Darauf antwortete die ehemalige Landesbäuerin ganz klar, dass es nicht immer leicht sei, die eigenen Werte überzeugend zu erklären. Die Politik sei ein Kampf um Konzepte und um Eitelkeiten; für Wertehaltungen sei da wenig Platz. Die Anwesenden sollten sich über die Wertehaltung der Südtiroler Politiker Gedanken machen und auch die Courage haben, von einer Partei Werte einzufordern.“ Politik ist ein Spiel mit Werten, und populistische Aussagen können Menschen beeinflussen und falsche Erwartungshaltungen in ihnen wecken“, so Maria Kuenzer. Von Werten wird zwar geredet, aber wirklich wichtig wäre die Umsetzung. Wer öffentlich von Werten spricht, sollte auch im Alltag danach leben.

Arbeit schafft Wert

„Der moderne Mensch definiert sich weitgehend über Leistung und Arbeit, und das Leben ist um die Arbeit herum strukturiert“, brachte es der „Arbeiterpriester“ Josef Stricker aus Martell auf den Punkt. Doch die Digitalisierung revolutioniert die Arbeitswelt und die Arbeitslosigkeit nimmt zu. Josef Stricker warf die Frage in den Raum, welchen Wert Arbeitslose, Arbeitsunfähige oder Arbeitsunwillige haben. Zu Leistung und Erfolg gehört auch die Erfahrung der Erfolglosigkeit, und der Umgang mit den Schwachen und Erfolglosen zeigt den wahren Christen in uns. Stricker warnte vor der Verrohung der Gesellschaft im Umgang miteinander vor allem über die sozialen Netzwerke. Für den Fortbestand der Demokratie sei es wichtig, miteinander zivilisiert umzugehen und den Dialog zu fördern.

WERTvolle Frauen

Eine Rose zum Tag der Frau reicht nicht, um alle frauenspezifischen Probleme ernst zu nehmen und zu lösen. Darin waren sich die sechs Frauen, die sich einem Podiumsgespräch mit Mara Stirner und Manfred Schweigkofler stellten, einig. Die Rolle der Frauen in der Wirtschaft, auf Bauernhöfen, in der Politik, im Sozialwesen und in der Gesellschaft insgesamt wurde beleuchtet und hinterfragt. Co-Moderatorin Mara Stirner brach eine Lanze für die von Peter Hahne kritisierte Genderthematik. Am Podium saßen die Sozialbetreuerin und Caritas-Mitarbeiterin Absa Lo Kandji, deren 17-jährige Tochter Aissatou, die in Meran das Sprachengymnasium besucht, Barbara Siebenförcher vom Unternehmen „G. Siebenförcher“, die Bürgermeisterin von St. Martin in Passeier, Rosmarie Pamer, die Bergbäuerin Andrea Kaserer Stieger und Monika Wellenzohn, die Präsidentin des Bürgerheims Schlanders. (ir)

Im Bild von links: Stefan Rechenmacher, Maria Hochgruber Kuenzer, Peter Hahne, Josef Stricker und Paula Tasser

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