Mittwoch, 16 Mai 2018

Bäuerinnen pilgern nach Finisterre

Schon im Mittelalter verspürten Völker und Reisende, die sich auf dem Jakobsweg dem Pilgerziel Santiago de Compostela im westlichen Winkel Europas näherten, den Wunsch, den Weg der Sonne weiter zu beschreiten, das Ende der Welt zu erreichen, um die Unendlichkeit zu betrachten und zuzuschauen, wie die Sonne im Meer versinkt. So hat sich Finisterre im Laufe der letzten Jahre zum heimlichen Ziel vieler Jakobspilger entwickelt.

Die Südtiroler Bäuerinnenorganistion hat in diesem Jahr den Pilgerweg nach Finisterre und weiter nach Muxia gewählt und wir 28 Frauen haben uns nach einer ausführlichen Führung durch die berühmte Kathedrale von Santiago mit unserer Begleiterin Helga auf den insgesamt 140 km langen, landschaftlich lohnenden Camino gemacht. Der Weg führte uns in fünf Tagen auf herrlichen Pfaden durch Eukalyptus– und Pinienwälder, endlose Ginsterhecken und grüne Mittelgebirgslandschaften, vorbei an alten Steinbrücken, den Maisspeichern, den sog. Horreos, durch kleine Dörfer und viel unberührte Landschaft zur Westküste Galiciens. In den Gärten und Äckern sah man fast ausschließlich Stängelkohl, der in der galizischen Suppe (caldo galego) nicht fehlen darf. Ansonsten ist die Landwirtschaft extensiv, abgesehen von einigen großen Vieh- bzw. Grünlandbetrieben. Jeden Tag galt es, einen Fußmarsch von 15 bis 33 Kilometern zu bewältigen, und immer waren wir dankbar und zufrieden für ein warmes Abendessen, ein angenehmes Bett und ein stärkendes Frühstück. Wir waren eine bunt gemischte Südtiroler Gruppe jeden Alters, doch eines hatten wir gemeinsam: betend, singend und in Gemeinschaft, zu zweit oder auch allein den Camino zu gehen, die körperliche Herausforderung und gleichzeitig das spirituelle Erlebnis eines Pilgerweges zu spüren. Nur vereinzelte Pilger waren mit uns auf dem Weg, mit einigen haben wir auch das Gespräch gesucht. Unterwegs mussten wir unseren persönlichen Pilgerpass in Hotels, Restaurants oder Kirchen abstempeln lassen, um am Ende die Urkunde „Finisterana“ zu erhalten.

Einen ganz besonderen Moment unserer Pilgerreise erlebten wir kurz vor dem Küstenort Cée, als wir in der Ferne zum ersten Mal den Atlantik erblickten. An Buchten und Küsten vorbei erreichten wir am vierten Tag Finisterre, das „Ende der Welt“. Mit kindlicher Freude badeten wir unsere Füße im Meer, suchten unsere persönliche Jakobsmuschel und wanderten zum berühmten Leuchtturm, um den Sonnenuntergang zu bestaunen. Die raue „Costa da Morte“ und ihre Buchten Richtung Muxia waren faszinierend, und die kräftigen Wellen ergaben eine für uns ungewohnte Stimmung zum Wandern. Die Hafenstadt Muxia ist kleiner und ruhiger als Finisterre und wird vor allem wegen des Heiligtums „Nuestra Señora de la Barca“ besucht. Hier genoss unsere Gruppe noch einen letzten, wunderbaren Blick auf den Atlantik bevor sie zurück in ihren Alltag reiste.

(Bericht: Teilnehmerin Ingeborg Rechenmacher)

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