Mittwoch, 25 Oktober 2017

Bäuerinnen sozial absichern

Kleine Projekte unterstützen und vor allem unbürokratisch: Das war eine Forderung beim Sechs-Länder Treffen in Brüssel.

Die Bäuerinnen- und Landfrauenverbände aus Deutschland, Luxemburg, Österreich, Schweiz und Südtirol vertreten rund 750.000 Bäuerinnen und Landfrauen im deutschsprachigen Raum. Die Präsidentinnen und Geschäftsführerinnen dieser Verbände trafen sich dieses Jahr in Brüssel, um über das Thema der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020 und die Auswirkungen auf Bäuerinnen und den ländlichen Raum zu diskutieren.

Immerhin werden bereits 30 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU von Frauen geleitet und knapp die Hälfte (43,4%) aller Arbeitskräfte aus der Familie sind Frauen. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, Frauen in der GAP spezielle Aufmerksamkeit zu schenken. „Eine unserer Hauptforderung war, dass im Rahmen der zweiten Säule auch kleinere Projekte berücksichtig werden und diese unbürokratischer abgewickelt werden können“, so Landesbäuerin Hiltraud Erschbamer.

Experten und EU-Abgeordnete wurden eingeladen um herauszufinden, wie die Vorschläge der Frauenverbände am besten implementiert werden können. So auch EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann, der u.a. auch auf die zukünftigen Probleme in der Herstellung von Lebensmitteln hinwies: „Wir werden in Zukunft vermehrt mit Produktengpässen zu kämpfen haben, da es andere Konsumgewohnheiten geben wird. Das ist einerseits eine große Herausforderung, andererseits aber auch eine Chance.“

Die Obfrauen waren sich einig, dass die GAP den Fortbestand einer familiengeführten Landwirtschaft und des landwirtschaftlichen Einkommens sichern muss. Besonders Frauen sind hier die Schlüsselakteurinnen, da sie sich für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Nachhaltigkeit des Betriebes und der Familie einsetzen. Daher ist es unerlässlich, die positive Rolle von Frauen in der Landwirtschaft hervorzuheben und zu stärken, beispielsweise anhand von Statistiken und wissenschaftlicher Belege. Zudem wurde die soziale Absicherung der Bäuerinnen diskutiert. Das geschlechterspezifische Rentengefälle beträgt in ländlichen Gebieten 51% - eine Tatsache, die zum Nachdenken und Handeln aufruft. Die Stärkung der sozialen Rechte von mitarbeitenden Frauen in bäuerlichen Betrieben muss mehr als je zuvor berücksichtig werden. „Denn eine Zukunft ohne Frauen am Land ist schlicht und einfach nicht möglich“, so die Präsidentinnen. Durch die Wiedereinsetzung der Advisory Group „Frauen im ländlichen Raum“ soll die Europäische Kommission hier ein sichtbares Zeichen setzen, um die Situation von Frauen am Land zu verbessern.

Die Südtiroler Bäuerinnenorgansiation hatte zudem die Möglichkeit, ihre Projekte im Landfrauenausschuss vorzustellen. Besonders die Soziale Landwirtschaft stieß auf großes Interesse und Erschbamer forderte, derartige Projekte einfach und effizient zu unterstützen. Die Landesbäuerin nutzte die Gelegenheit, um europaweit für die Idee eines „Internationalen Tag der Bräuche“ zu werben – die spontan angenommen wurde und Unterstützung erhielt.

Die Vorschläge der Frauenverbände wurden in gebündelter Form der neu gewählten Präsidentin des Landfrauenausschusses von COPA Lotta Folkesson überreicht. „Wenn Frauen europaweit an einem Strang ziehen, können wir besser gehört werden“, so die Präsidentinnen.

Bild 1: Die Präsidentinnen übergeben der neu gewählten Präsidentin das Positionspapier.

v.l.n.r.

Christiane Kayser-Kirsch, Präsidentin Service Activités Féminines; Luxemburg

Hiltraud Erschbamer, Landesbäuerin Südtiroler Bäuerinnenorganisation

Brigitte Scherb, Präsidentin Deutscher LandFrauenverband

Lotta Folkesson, Präsidentin des Landfrauenausschusses von COPA

Andrea Schwarzmann, Vorsitzende ARGE Österreichische Bäuerinnen

Christine Bühler, Präsidentin Schweiz. Bäuerinnen- und Landfrauenverband

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