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Mittwoch, 28 September 2022

Landwirtschaft: „a gmahnte Wies“?

Diskussion über Grenzen und Chancen in der Landwirtschaft

SCHLANDERS - Wie eine nachhaltige Landwirtschaft in ländlichen Räumen aussehen könnte, und welche Möglichkeiten uns Europe Direct Südtirol dabei eröffnet, darum ging es in der Diskussionsrunde „Landwirtschaft von morgen – a gmahnte Wies?“ am 8. September im multifunktionalen Veranstaltungsraum des Social Innovation Hub BASIS Vinschgau in Schlanders. Im sogenannten „Side Event“, einer Veranstaltung im Rahmen der Sustainability Days Südtirol 2022, konnte sich das Publikum direkt mit Vertreter:innen der Politik, der Forschung und der Landwirtschaft austauschen. Europe Direct Südtirol, das Informationszentrum der EU und angesiedelt bei der Landesabteilung Europa in Bozen, hatte die Veranstaltung organisiert. Moderiert wurde der Diskussionsabend von Martha Garber, Leiterin der Abteilung Europe Direct Südtirol, und ihrer Mitarbeiterin Katharina Thurin, einer jungen Schlanderserin, die mehrere Tage pro Woche von ihrem Schreibtisch im Co-Working-Space der BASIS aus für Europe Direct Südtirol arbeitet.

„Nachhaltige Landwirtschaft ist keine „gmahnte Wies“

Das hob Franz Fischler, ehemaliger EU-Kommissar für Landwirtschaft, Entwicklung des ländlichen Raumes und Fischerei hervor: „Es gilt heute, eine Balance zwischen den drei Dimensionen von ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit zu schaffen.“ Der ehemalige EU-Politiker warnte davor, Nachhaltigkeit mit Greening gleichzusetzen. „Es braucht eine offene und ehrliche Diskussion“, forderte er. Die Brisanz sei groß, und der Klimawandel nicht mehr verhinderbar. „Wir haben noch 15 Jahre Zeit, in der wir die Wende schaffen müssen, um das Klima noch zu stabilisieren“, mahnte der ehemalige Agrar-Kommissar.

Nischenkulturen haben gute Chancen

Arnold Schuler, Landesrat für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Tourismus und Bevölkerungsschutz, zeigte auf, dass nicht nur im Tourismus, sondern auch in der Südtiroler Landwirtschaft Grenzen des Wachstums erkennbar seien und verwies auf die vielen unterschiedlichen Realitäten in Südtirol: „Denen muss Rechnung getragen werden.“ Schuler: „Unser größter Luxus sind unsere regionalen Produkte; der Zwischenhandel und die Transporte sind ein immenser Kostenfaktor.“ Er verwies auf die Chancen der Nischenkulturen, die klimatisch im Vinschgau beste Voraussetzungen hätten.

Wesentliche Neuerungen für eine bessere Nutzung der Ressourcen bringt die Digitalisierung in der Landwirtschaft. Am Versuchszentrum Laimburg wird mithilfe des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) an Freilandlaboratorien im Obst- und Weinbau geforscht (Projekt LIDO). „Die Ergebnisse werden richtungsweisend für die Investitionen der Zukunft sein, die dem Klimawandel Rechnung tragen müssen“, erklärte die Forscherin Kathrin Plunger.

Bergbauern erbringen unbezahlte Leistungen

Großen Raum erhielten die beiden Bäuerinnen Anja Matscher Theiner vom Lechtlhof am Schludernser Sonnenberg und Gerda Platzgummer Wellenzohn vom Huterhof in Schlanders. Sie gaben authentische Einblicke in ihren bäuerlichen Alltag und die großen Herausforderungen, die besonders die Berglandwirtschaft betreffen. „Man kann Berglandwirtschaft nicht nur aus Idealismus betreiben“, betonte Anja Matscher, die Rahmenbedingungen müssen passen, vor allem der Preis oder die Ausgleichszahlungen. „Die Leistungen der Bergbauern sind vielseitig und nicht alle werden entsprechend abgegolten“, unterstrich die en-gagierte Bio-Bergbäuerin. Dies bestätigte auch Franz Fischler: „Die Politik muss endlich kapieren, dass die Berglandwirtschaft Dienstleistungen erbringt, die über die schöne Landschaftsgestaltung hinausgehen. Sie ver-hindern durch ihre Arbeit Ver¬murungen, Versteppungen und Überschwemmungen!“ Gerda Platzgummer Wellenzohn zeigte sich erfreut, dass die Zahl der Biobetriebe enorm gestiegen ist. Der Huterhof produziert bereits seit 1994 nach biologischen Richtlinien. „Wir versuchen auf kreative Weise, der Natur Ressourcen zurückzugeben. So tragen wir zur Kreislaufwirtschaft auf unserem Hof bei.“ - Die Bürgerinnen und Bürger im voll besetzten KASINO der BASIS brachten sich vielfältig in die Überlegungen rund um die Landwirtschaft von morgen ein. Bedauerlicherweise wurde die Veranstaltung inmitten der Dis¬kussionsrunde abgewürgt. Sehr spannend wären noch weitere Ausführungen der Forscherin Kathrin Plunger zu den Freilandlaboratorien im Obst- und Weinbau gewesen, welche nachhaltige und resiliente Anbausysteme als Forschungsgrundlage haben und in denen neue technologische Entwicklungen getestet werden. Auch ein Statement vom Landesrat für Landwirtschaft zur Digitalisierung und zu den smarten Technologien wäre wünschenswert gewesen. Denn dass die große Hoffnung für die Zukunft der Landwirtschaft in der Forschung liegt, war von mehreren Seiten zu hören. Unbeantwortet blieb auch die Frage, welche konkreten Maßnahmen Europe Direct Südtirol für eine nachhaltige Landwirtschaft im ländlichen Raum setzt. Es wäre also noch vieles zu klären; vielleicht folgt irgendwann ein Teil II der Veranstaltung.

Im Rahmen der Veranstaltung war es möglich, die neue, vom EFRE im Rahmen des Projektes VERDE finanzierte Versuchsküche in der BASIS zu besichtigen. Elisabeth Prugger und Simon Platter vom landwirtschaftlichen Betrieb Greiterhaus in Eyrs hatten in der Veredlungsküche besondere Köstlichkeiten aus Produkten ihres Gemüsefeldes vorbereitet. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von der Musikgruppe Kraut & Ruabm der Werkstatt der Bezirksgemeinschaft Vinschgau in Prad unter der Leitung von Maurizio Floridia und Franziska Schuler. Das Publikum nutzte das „Get togheter“ für eine rege Diskussion über die aufgeworfenen Themen und offen gebliebenen Fragen.

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