Gretl Romaner Schweigkolfer

Die Wegbereiterin

Ausgesät hat sie vieles, die Ernte eingefahren haben vielfach ihre Nachfolgerinnen. Die Zwölfmalgreiner Bäuerin Gretl Schweigkofler führte die Südtiroler Bäuerinnenorganisation ins neue Jahrtausend.

Wollte man Gretl Schweigkoflers Amtsperiode im Weinjahr verankern, würde die Wahl auf den Frühsommer fallen. In St. Justina, in den Weinpergeln rund um die beiden stattlichen Hofstellen des Erbhofes Pitsch am Bach, auf dem die zweite Landesbäuerin seit ihrer Heirat lebt und arbeitet, wird in dieser Zeit auf die Qualität der Ernte hingearbeitet. Noch sind die Trauben weit von ihrer Reife entfernt. Doch das Schneiden und Binden, das Spritzen und Pflegen sind die Voraussetzung, dass im Herbst reich geerntet werden kann.

Auch in den Jahren zwischen 1995 und 2003, in denen Gretl Schweigkofler die Bäuerinnenorganisation führte, wurde mehr in die Wege geleitet als geerntet. „Die Gretl hat uns immer den Rücken gestärkt und vieles angestoßen“, sagen ihre Wegbegleiterinnen. „Vieles war damals bereits im Kopf vorhanden, doch die Zeit war noch nicht reif für die Umsetzung.“ Die Weinbäuerin, die schon auf den Hügeln von St. Magdalena großgeworden ist, ist niemand, der sich sofort in die erste Reihe drängt und losstürmt. Das zeigen auch ihre ersten Jahre bei der Bäuerinnenorganisation. „Anfänglich habe ich nicht unbedingt das Gefühl gehabt, dass es uns braucht“, schmunzelt sie rückblickend. Auch in ihrer Ortsgruppe Zwölfmalgreien war die Stimmung gegenüber den Plänen skeptisch bis kritisch.

Für Gretl Schweigkofler schließlich ein Grund mehr, sich doch vom Enthusiasmus anderer Frauen anstecken zu lassen. „Wenn wir Bäuerinnen einmal etwas nur für uns machen können, sollen wir es zumindest versuchen“, setzte sie sich als Motto – und stürzte sich in die Organisation der Zwölfmalgreiner Ortsgruppe. Bei der Wahl der ersten Ortsbäuerin überließ sie das Feld noch einer anderen. Doch ab der kommenden Wahl ging es dann Schlag auf Schlag. Neben der Rolle der Zwölfmalgreiner Ortsbäuerin übernahm Schweigkofler bald auch jene der Bezirksbäuerin. Und als Maria Leiner 1995 nach 14 Jahren ihr Amt abgab, stand sie plötzlich selbst ganz oben – als neue Landesbäuerin der Südtiroler Bäuerinnenorganisation.

Aus dem Stand heraus hätte sie sich die Rolle nie zugetraut. „Wir hatten schließlich keine Ahnung“, meint sie frei heraus. Doch Sitzung für Sitzung und Jahr für Jahr lernt sie dazu, schaut sich das eine hier und das andere dort ab, findet zunehmend Gefallen an ihren Funktionen. Als Gretl Schweigkofler das erste Mal öffentlich als Bezirksbäuerin spricht, sitzen in der Reihe unter ihr nur Politiker. „Mit wurde klar, dass jedes Wort Anlass für Kritik sein könnte.“ Noch viel mehr als Rhetorik oder Sitzungsführung begeistert die Bezirks- und spätere Landesbäuerin aber das Zusammentreffen mit Bäuerinnen im In- und Ausland. „Je mehr Bäuerinnen ich kennenlernen durfte, desto mehr wurde mir klar: Mit so viel Wissen, Geschick und Fleiß werden wir nicht nur den Bäuerinnen, sondern dem gesamten Bauernstand und damit der Landwirtschaft einen wertvollen Beitrag leisten können.“

Geht raus mit dem, was ihr könnt, wurde die Landesbäuerin nicht müde, auf Versammlungen zu wiederholen. An verschiedensten Fronten versuchte sie das Thema Selbstvermarktung anzustoßen. Vor allem ein Bozner Bauernmarkt war ihr großes Ziel. Aus diesem Grunde wurden viele Weiterbildungskurse veranstaltet, um den Bäuerinnen die nötige Sicherheit zu geben, das eigene Produkt gut und selbstsicher zu präsentieren und zu vermarkten. Hier lag der Anfang der heutigen „Bäuerin-Botschafterin“ oder der „Bäuerin-Referentin“. Nicht wirklich ernst genommen wurden anfangs auch die Vorstöße der Bäuerinnen in Sachen Gentechnik und biologische Landwirtschaft. Eines der ersten Themen, das Schweigkofler anging, war das Zusammenleben mehrerer Generationen am Hof. Direkt damit verbunden war die Hofübergabe. Hier stieß die Landesbäuerin in ihren Bemühungen auf viele Tabus und Ängste. Als sich die Bäuerinnen dafür einsetzten, dass auch Mädchen den Hof übernehmen können, gab es anfangs einen breiten Aufschrei. Als das Höfegesetz dann schließlich in die Richtung abgeändert wird, haben die Bäuerinnen viele schwierige Diskussionen hinter sich.

Es gibt viele Geschichten, die Gretl Schweigkofler erzählen kann, wenn die Erinnerungen einmal in Fluss kommen. So beispielsweise über die heftigen Diskussionen zum Thema Abtreibung im neu gegründeten Landesbeirat für Chancengleichheit. Dorthin wurde die damalige Landesbäuerin als erste Bäuerin überhaupt berufen. Auch an die Wahl von Rosa Thaler als erste Bäuerin in den Landtag erinnert sich Gretl Schweigkofler gerne zurück: „Der damalige Zusammenhalt und die Unterstützung der Politik hat zu diesem historischen Erfolg beigetragen.“

Ein persönlicher Höhepunkt in der Amtszeit der damaligen Landesbäuerin war ihre Teilnahme am Welttag der Bäuerinnen in Genf im September 2001: Auf Vorschlag der SBO erhielt die Bäuerin Martina Lintner damals den Preis der Kreativität der Landfrauen. Neben Bäuerinnen aus Afrika und Südamerika konnte so über das Leben der Bäuerin in Südtirol erzählt werden.

Stolz bleibt Schweigkofler bis heute darauf, Dinge ins Rollen gebracht zu haben und zum wachsenden Selbstbewusstsein der Bäuerinnen beigetragen zu haben. Denn heute kann sie auf die Ernte blicken – und sagen: Wir haben dazu beigetragen. Im Frühsommer.

Su

Quelle: Festschrift 35 Jahre SBO

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