Donnerstag, 06 Dezember 2018

Wegbereiter

Dienstleistungen vom und auf dem Bauernhof

Die Lehrfahrt der Mitglieder des Dienstleistungsportals führte Ende November nach Tirol. Hier trafen sie auf Pioniergeister, von dessen Laufbahnen sie viel lernen können.

Die erste Station führte nach Volders, auf den Lachhof eines der fünf Job Training Zentren des AufBauWerks. Das AufBauWerk ist ein soziales Dienstleistungsunternehmen für junge Menschen mit Förderbedarf, den sogenannten Trainees. Auf dem Lachhof werden momentan 30 Jugendliche auf den Berufseinstieg im landwirtschaftlichen Sektor vorbereitet und betreut. Der Leiter Stephan Beiser scheint eine ungebrochene Willensstärke zu besitzen. Vor allem der bürokratische Aufwand und die sich ständig verändernden gesetzlichen Normen erschweren dem Lachhof das Leben. Die Mühe zahlt sich aber für jeden einzelnen Jugendlichen, dem hier wieder Orientierung geschenkt wird, aus.
Zwei Trainees führen durch den Hof. Sie erklären welche Arbeiten sie am Hof gewissenhaft übernehmen. Ob Hühner, Kühe oder Schafe füttern, Eier sammeln und verpacken oder das Mittagessen zubereiten: Die Arbeit mit den Tieren und im Garten gefällt ihnen sehr. Hier zählen nicht (nur) die Schulnoten. Das Schubladendenken unseres Schulwesens wird aufgebrochen. Die Selbstkompetenz gefördert. Begabungen außerhalb der genormten schulischen Materien finden am Lachhof die rechtmäßige Anerkennung.

Visionen, die schon lange Realität sein sollten
Auch am Lilienhof in Lans - in der Zwischenzeit ein Verein – ist der Vorsitzende Herbert Wechselberger überzeugt, dass es Strukturen braucht, in denen Menschen aufgefangen werden, die sonst durch das soziale oder gesellschaftliche Netz fallen, speziell Menschen mit besonderen Bedürfnissen. „Vor der Umsetzung von sozialen Dienstleistungen am Hof, muss man sich im Klaren sein, was man anbieten möchte, was überhaupt möglich ist, wer Partner wären“, erklärte Wechselberger. Die Gemeinde muss dahinterstehen. Oft braucht es bauliche Maßnahmen, um die Dienstleistungen entsprechend (regelkonform) anbieten zu können. Viele Schulklassen und Kindergartengruppen, welche besonders Inklusion leben, besuchen bereits den Lilienhof. Die Visionen vom Lilienhof sind aber größer: Gerade wird das Therapiezentrum ausgebaut. Dort sollen Fachkräfte zukünftig nach der tiergestützte Therapie mit den Patienten weiterarbeiten dürfen. „In Tirol gibt es einfach noch zu wenig! In den Niederlanden oder Norwegen ist es Normalität, dass am Hof auch soziale Dienstleistungen angeboten werden!“, betonte Wechselberger.

Kindergeburtstage am Hof und der regionale Burger
Ein Abstecher wurde auch auf den Oberhausbichlhof in Reith im Alpachtal gemacht: Hier bietet die engagierte Jungbäuerin Stefanie Schwarzenauer seit einiger Zeit „Schule am Bauernhof" an. Beliebt sind auch die Kindergeburtstage am Hof. Dort gibt es immer etwas zu entdecken und tolle Bauernhofspiele, lehrreich und lustig zugleich. Aufgebaut hat sich Stefanie auch einen kleinen Hofladen, in dem sie Brot, Joghurt, Marmelade usw. verkauft. Der Laden ist tagsüber nicht geschlossen. Die Leute können sich selbst bedienen und zahlen auch eigenständig, hinterlegen das Geld. Das Vertrauen zum Kunden wie zum Produzenten ist hier erstaunlich, gut so.
Am Abend gab es noch einen flotten Burger-Kochkurs mit der Seminarbäuerin Adelheid Gschösser. Auch sie ein Phänomen. Seit 1996 ist Adelheid Seminarbäuerin und lehrt in ihren Kochkursen, wie regionale Lebensmittel zu einfachen aber wunderbaren Gerichten zubereitet werden. Den Tiroler-Burger hat sie selbst erfunden. Speziell für die Projekte in den Schulen, deshalb auch der moderne Namen. Die Zutaten sind alle aus der unmittelbaren Region. Nicht nur die Kinder lieben dieses Rezept, auch die Teilnehmer der Lehrfahrt haben angebissen. An diesem Abend gab es noch einen Einblick ins Trockenfilzen: Barbara Fürst filzte noch schnell einen Josef für die Krippe. So schön, dass eine Krippe verkauft und gleich die nächste bei ihr bestellt wurde. Den Abschluss machte der Vortrag von Alexander Walser vom Agrarmarketing Tirol. Er referierte über das Projekt „Bewusst Tirol“: Warum nicht einmal den Honig mit „Hunk“ betiteln, so wie er in manchen Tälern von Tirol im Dialekt bezeichnet wird. Vielleicht braucht es bei uns auch die „Goggelen“ vom Hof. Eine Marketingstrategie, die in Tirol Erfolg hat.

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