Gesundheitswesen weiterentwickeln, Vorsorge garantieren
Wie soll sich die Gesundheitsversorgung in Zukunft weiterentwickeln? Diese Frage stellte gestern (10.07.2025) der Landesbäuerinnenrat dem Landesrat für Gesundheitsvorsorge und Gesundheit Hubert Messner beim heurigen Sommergespräch beim Weingut Ebnerhof in Atzwang. Eines wurde im Gespräch klar: Es braucht medizinische Versorgung auch in der Peripherie.
„Wir wissen: das Gesundheitswesen ist sehr komplex. Doch wir brauchen eine medizinische Betreuung - auch in den Dörfern. Die langen Wartezeiten sind oft nicht nachvollziehbar, da braucht es eine bessere Koordination von Terminen. Wir wollen keine Zweiklassenmedizin. Und oft ist die sprachliche Verständlichkeit nicht gegeben,“ so Landesbäuerin Antonia Egger.
Im Gespräch mit Landesrat Hubert Messner wurde klar: Es gibt Baustellen, doch genauso gibt es neue Ansätze, um auch in Zukunft die medizinischen Leistungen flächendeckend anzubieten. Das ist das Ziel von Landesrat Messner. Er sieht die Zukunft unter anderem in den Gemeinschaftshäusern, von denen derzeit 10 als Weiterentwicklung der Sprengel im ganzen Land entstehen. „Dadurch kann zum Beispiel auch ein ganztägiger ambulanter Dienst – auch am Wochenende - angeboten werden.“ Tatsache ist, dass es in Zukunft immer mehr Menschen mit chronischen Krankheiten geben wird, dass es mehr ältere Menschen mit Pflegebedarf geben wird. Diese Patienten sollen in den Gemeinschaftshäusern aufgefangen und wohnortnah betreut werden. In dem Zusammenhang appellierte Landesrat Messner auch an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen, denn 50 % des persönlichen Gesundheitszustandes eines Menschen hängen mit dem Lebensstil zusammen, den er pflegt. Die Prävention und Vorsorge-Screenings spielen hier natürlich eine wichtige Rolle, so der Landesrat, aber auch zum Beispiel Faktoren wie genügend Ruhe und Zeit für Regeneration.
Flexibilität und Attraktivität
Diskutiert wurde auch über das Thema Fachkräftemangel. Landesrat Messner stellte klar: Ein Grund für die veränderten Bedürfnisse der Bediensteten ist auch, dass inzwischen 75 % der Gesundheitsberufe weiblich sind. In der Folge bedeute dies viele Teilzeitverträge oder auch Ausfälle wegen Mutterschaft. Deshalb sind neue Arbeitszeitmodelle notwendig, auch das Thema Versorgung der Kleinkinder und die Attraktivität des Arbeitsplatzes spielen hier eine Rolle. „Wir haben jetzt bessere Kollektivverträge ausgehandelt, die Arbeitszeit des nicht-ärztlichen Gesundheitspersonals von 38 Wochenstunden auf 36 Wochenstunden – bei gleichbleibendem Gehalt - reduziert, wobei auch Zusatzstunden möglich sind,“ so der Landesrat. Wichtig ist ihm dabei stets transparent zu bleiben.
Wichtig: Zusammenarbeit
„Ein Krankenhaus, sieben Standorte“ – dies ist das Credo von Landesrat Hubert Messner. Ziel davon ist die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Krankenhäusern und Fachbereichen. „Zweigleisigkeit ist sinnlos, da sind wir dabei, uns neu zu organisieren,“ informiert der Landesrat. Siegried Lintner, Bezirksbäuerin Unterland, forderte eine Zwischenstation zwischen Krankenhaus und Pflege zu Hause, Familien werden da oft allein gelassen und sind überfordert. Landesrat Messner ist sich dieser Problematik bewusst: „Die Krankenhäuser müssen für die Versorgung der Akutpatienten frei bleiben. Was es braucht, sind Intermediärbetten (gesundheitliche Betten) oder auch Übergangsbetten (soziale Betten) für Patienten, die nach einer akuten Behandlung im Krankenhaus noch krankenpflegerische oder soziale Betreuung brauchen,“ Die Zuweisung in diese Betten erfolgt über die sogenannte Wohnortnahe Einsatzzentrale, die es in jedem Bezirk gibt.. „Wir müssen uns weiterentwickeln, Synergien sparen, die Allgemeinmediziner und Kinderärzte in Gemeinschaftshäuser einbinden, dort einen interdisziplinären Dienst anbieten.“ Weiterentwickeln muss sich auch das Informationssystem, der Austausch der Daten. Digitalisierung muss funktionieren, das forderte der Landesbäuerinnenrat. Landesrat Messner verwies auf die elektronische Gesundheitskarte: „Das ist ein Koffer, der alle persönlichen gesundheitlichen Daten und Dokumente enthält. Aus Datenschutzgründen muss jeder Patient dem Hausarzt die Berechtigung zur Einsicht geben. Ich empfehle jedem, diese Zustimmung zu geben.“
Gendermedizin
Elisabeth Tappeiner, Bezirksbäuerin aus dem Vinschgau, sprach das Thema Frauengesundheit an. Landesrat Messner informierte über den Landesstrategieplan zur Gendermedizin. Die Bedürfnisse der Frau wurden bisher in der medizinischen Forschung nicht bzw. zu wenig berücksichtigt. Medikamente für Frauen brauchen oft eine andere Zusammensetzung, Frauen hätten bei bestimmten Krankheiten andere Symptome. Hier wird weiter an der Sensibilisierung gearbeitet, besonders bereits im Jugendalter – dies wurde im Gespräch auch bekräftigt.
Zum Schluss wurde über die Möglichkeiten der sozialen Landwirtschaft gesprochen, wo Landesrat Messner durchaus Möglichkeiten sieht, zum Beispiel in der tiergestützten Therapie. Was es braucht, ist eine entsprechende Ausbildung und eine Autorisierung und Akkreditierung der Struktur. Hier genauer hinzuschauen, ob der Bedarf für ein solches Angebot besteht und wie es eventuell funktionieren kann, ist sicherlich ein sinnvoller Auftrag.
Im Gespräch wurde klar: die richtigen Informationen sind wichtig, um zu verstehen, warum manches anders läuft, als man es gerne hätte. Realpolitik betreiben, die Ansprüche und die Erwartungen nicht zu hochstecken und schauen, wie in Zukunft die sozialen Dienstleistungen dort ankommen, wo sie auch wirklich gebraucht werden, ist ein gangbarer Weg. „Der Austausch war sehr wichtig. Wir müssen diskutieren, wir müssen Sachen klären und das können wir nur im Gespräch!“ so die Landesbäuerin abschließend beim Sommergespräch mit Landesrat Hubert Messner.
Bild 1©SBO: Der Landesbäuerinnenrat hat dem Landesrat Hubert Messner zahlreiche Anliegen beim Sommergespräch auf dem Weingut Ebnerhof in Atzwang vorgestellt.
Bild 2©SBO: Landesrat Hubert Messner im Gespräch mit Vertretern des Landesbäuerinnenrats während des traditionellen Sommergesprächs.
Bild 3©SBO: Landesbäuerin Antonia Egger lud Landesrat Hubert Messner zum traditionellen SBO-Sommergespräch.


