Bewahrer alter Saatgutsorten
Das Interesse für altes Saatgut war groß beim Saatgutfest am 1. März in Lana. Es wurde gestöbert, nachgefragt und nach Raritäten gesucht. Zur Diskussion stand auch die neue Verordnung über Pflanzenvermehrungsmaterial.
Beim Saatgutfest in Lana wurde deutlich, wie stark das Interesse an traditionellem Saatgut und lebendiger Biodiversität ist. Für Sabine Schrott, Vorsitzende des Vereins Arche Südtirol, ist diese Resonanz ein zentraler Motor für ihre Arbeit: Sie beschreibt das Fest als einen Ort, an dem sichtbar wird, wie wichtig das Thema für viele Menschen geworden ist. In mehreren Vorträgen wurde viel Fachliches geboten. Unter anderem referierte die Ernährungswissenschaftlerin Katharina Lageder zum Thema „Alte Gemüsesorten und ihr Potential in der Ernährung“ und die Agronomin Laura Kuonen vom Sortengarten Erschmatt sprach zum Thema „Mischkulturen & Sortenmischungen als Antwort auf Wetterextreme“. Antonio Lo Fieg von Rete Semi Rurali sprach über die Vielfalt der bäuerlichen Tradition und Sabine Schrott, Bäuerin und Saatgutexpertin referierte über den Knoblauch – vom Zeh zur Knolle.
Pflanzenvermehrung: Fokus der EU-Politik
Angereist war auch EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann. Er informierte über den aktuellen Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die Erzeugung von Pflanzenvermehrungsmaterial und dessen Bereitstellung auf dem Markt. Ausnahmeregelungen und weniger strenge Anforderungen sollen in Zukunft das Erhalten lokaler Sorten erleichtern. Es sollen für Erhaltungssorten, heterogenes Material, Austausch zwischen Genbanken, Organisationen und Netzwerken sowie zwischen Landwirten Ausnahmen gemacht werden, um so den Verkauf von heterogenem Saatgut zu ermöglichen. „Natürlich nur bestimmte Mengen und in Diskussion ist auch ein Sortenregister. Ziel ist es, eine Einigung zu finden und innerhalb Mai abzuschließen,“ sagte EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann. Er hofft auf eine gute Abstimmung, auch um den Bestand der Landsorten weiterhin zu gewährleisten, „denn sie haben einen sehr großen Wert für die Biodiversität.“
Für Sabine Schrott ist es wichtig, dass es eine Lösung gibt. Zur neuen EU-Regelung, die gewisse Ausnahmen für Landwirte und Netzwerke vorsieht, bleibt Schrott pragmatisch. Sie hofft, dass nicht gleichzeitig neue Hürden entstehen. Schrott betont jedoch die Notwendigkeit, innerhalb des gegebenen Rahmens handlungsfähig zu bleiben. „Wir werden mit den politischen Rahmenbedingungen umgehen. Wichtig dabei ist die Information und auch die Sicherheit, und deshalb ist der Austausch mit EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann sehr wichtig.“ Landesbäuerin Antonia Egger sieht in der neuen Verordnung erstmals die Möglichkeit, die rechtlich komplexe Situation der Erhalterinnen und Erhalter zu entschärfen. „Sie müssen ihr Saatgut auch verkaufen dürfen“, betont Egger und bedankte sich zugleich bei EU-Parlamentarier für die konstruktive Zusammenarbeit.
Beim Saatgutfest mit dabei waren viele Aussteller und Erhalterinnen und Erhalter unter anderem Arche Südtirol, Sortengarten Südtirol, die Sonnenwerkstatt Graz, Amici dell’orto. Allen gemeinsam ist die Passion für die Kulturpflanzenvielfalt, die Erhaltung von Saatgut und die Verpflichtung, alte Sorten vor dem Aussterben zu bewahren.
Für Sabine Schrott, Vorsitzende von Arche Südtirol, ist die Zusammenarbeit sehr wichtig. „Nur durch das gemeinsame Engagement aller könne ein weiterer Schritt nach vorn gemacht werden.“ Ein zentrales Anliegen ist die Schaffung einer Plattform, auf der Erhalterinnen und Erhalter ihr Saatgut wie in einem Second-Hand-Shop anbieten können. Damit würde sichtbar, wo bestimmte Sorten verfügbar sind – eine große Hilfe, da die Erhalterinnen und Erhalter in ganz Südtirol verstreut sind. Dass ein breites Interesse nach Saatgut besteht, zeigte der große Antrag beim heurigen Saatgutfest.
Mehr Information: Arche Südtirol





