Wie steht es um finanzielle Absicherung und Mitbestimmung der Frau am Hof? Wie steht es um die Kontoführung, die Vermögensaufteilung und Eigentumsrechte? Oder gibt es Bürgschaften? Wie steht es um die soziale Absicherung? Wenn man Bescheid weiß, dann ist man in Kenntnis, dann ist man informiert. Das ist die Basis, um einen Betrieb auch aktiv mitzugestalten. Und darum geht es heuer auf der AgriAlp beim Stand der Südtiroler Bäuerinnen. Mit der Rechtsanwältin Christine Mayr wird dieses Thema auf der Aktionsbühne vertieft. In der Broschüre „Die Bäuerin am Hof. Ich weiß Bescheid“ gibt die erfahrene Rechtsanwältin Informationen zum Thema Finanzen regeln weiter. Unter anderem zum Thema Kontenmodelle im Vergleich: gemeinsam oder getrennt?
Gemeinsames oder getrenntes Konto
Finanzielle Transparenz ist in jeder Partnerschaft wichtig: Beide sollten über Einkommen, Ausgaben von Betrieb und Haushalt Bescheid wissen. Erst dann lässt sich entscheiden, ob ein gemeinsames oder getrenntes Konto sinnvoll ist.
Ein gemeinsames Konto ermöglicht beiden Partnern gleichberechtigten Zugriff – außer es wird mit der Bank anders vereinbart. Bei Mitarbeit der Frau am Hof sollte das Betriebskonto auf beide Namen laufen, um Einblick und Zugriff im Ernstfall zu sichern. Eine Kontovollmacht ersetzt keine Kontoinhaberschaft und kann widerrufen werden.
Bei eigener Erwerbstätigkeit empfiehlt sich ein separates Gehaltskonto zur Trennung privater und betrieblicher Einnahmen. Für einzelne Betriebszweige kann ein eigenes Konto die Übersicht verbessern.
Bankbürgschaften, Darlehen und Hypotheken
Banken verlangen oft Bürgschaften oder Mitunterschriften der Ehefrau, auch wenn sie nicht direkt betroffen ist. Eine Bürgschaft sollte nur nach gründlicher Beratung übernommen werden, da sie schwer aufzulösen ist – besonders bei Investitionen, die man nicht mitträgt. Bei Hypotheken dient die Liegenschaft als Sicherheit; eine zusätzliche Bürgschaft der Ehefrau ist meist nicht nötig.
Sparen, Geldanlagen und Wertpapierdepots
Gemeinsam erwirtschaftetes Geld sollte auf beide Namen angelegt werden, persönliche Ersparnisse können getrennt geführt werden. Bei Gütergemeinschaft werden alle Ersparnisse im Todes- oder Scheidungsfall aufgeteilt.
Belastungen auf dem Hof
Ein Blick ins Grundbuch zeigt bestehende Belastungen wie Hypotheken oder Wohnrechte. Für die zukünftige Bäuerin ist es wichtig, diese zu kennen und zu klären, welche Zahlungen an Dritte zu leisten sind. Bei hoher Belastung kann ein Nebenerwerb oder die Rückkehr in den erlernten Beruf sinnvoll sein.
Fazit: Eine selbstbewusste Bäuerin regelt ihre Finanzen eigenständig und informiert sich umfassend, um ihre Rechte und Pflichten zu kennen und abzusichern.