Freitag, 07 September 2018

Besichtigung der Marktgemeinde Neumarkt

Neumarkt – viel mehr als Lauben…

 Anfang August luden die Bäuerinnen Montans zu einer historischen Ortsführung nach Neumarkt ein.

Am frühen Abend begannen wir mit Frau Dr. Berta Linter bei der Ausgrabungsstätte Mansio Endidae (Nähe MPreis) die Reise in die bewegte, äußerst interessante  Vergangenheit  Neumarkts.              

Frau Linter berichtete von prähistorischen Ausgrabungsfunden um Neumarkt und im Gebiet von Castelfeder, welche die frühe Siedlungsgeschichte dieser Gegend belegen. Zu Beginn unserer Zeitrechnung entstand in der Hochblüte des Römerreiches die röm. Versorgungsstation „Mansio Endidae“ auf halber Wegstrecke zwischen Trient (Tridentum) und Bozen (Pons Drusi). Um diese Versorgungsstation entwickelte  sich Landwirtschaft, Handwerk und Handel. Auch nach Zerfall des Römerreiches blieb Neumarkt ein wichtiger Stützpunkt für alle weiteren Herrscher, lag es doch an der bedeutendsten Verkehrsachse Mitteleuropas zwischen Süden und Norden, der Brennerroute.

Bei den „Unteren Lauben“ setzten wir unsere Besichtigung fort und tauchten mit Frau Linter in die Zeit des Hochmittelalters ein, denn 1189 erteilte Bischof Konrad von Trient dem „Neuen Markt von Enn“ das Marktrecht. Durch den Warentransport von Norden und Süden kommend durch Fuhrwerke, später durch die Schiffbarkeit der Etsch auch zu Wasser und durch den Fuhrweg ins Fleimstal gewann dieser „Neue Markt“ immer mehr an Bedeutung. 1309 verlieh Herzog Otto von Tirol dem Ort Privilegien, die bestimmten, dass alle Güter, die auf Wagen oder Schiffen nach Neumarkt kamen, hier niedergelegt (Niederlegungsrecht) und durch Bewohner von Neumarkt nach einer festgesetzten Reihenfolge weiterbefördert werden mussten (Rodrecht). So entwickelte sich in Neumarkt reges Leben. Handwerk, Gastwirtschaften, Fuhrunternehmen, Bauern … profitierten davon. Aber auch der Markt selbst kam durch die Wegzölle zu bedeutenden Einnahmen. Neumarkt hatte außer einer Stadtbefestigung alle Merkmale und Rechte einer mittelalterlichen Stadt. Außerhalb des Ortseinganges (südlich der Pfarrkirche) im alten Hospiz St. Gallus wurden die Kranken versorgt um die Dorfbewohner vor Ansteckung zu schützen. Am Beginn des Unterdorfes steht die Pfarrkirche „St. Nikolaus“ gesäumt vom alten Friedhof und einer Ringsmauer, die das weltliche Treiben von der geistigen Welt fern hält. Nach Besichtigung der Pfarrkirche, deren mittelalterliches Langhaus als einziges Gotteshaus Südtirols  komplett mit neuzeitlichen Fresken (1938 v. Anton S. Fasal) ausgemalt ist, führte uns Frau Linter in die „Unteren Lauben“.

Dort befanden sich die Warenlager, die verschiedenen Handwerksbetriebe und jede Menge Gastwirtschaften für die Reisenden.  

In den „Oberen Lauben“  residierte die obere Bevölkerungsschicht - hohe Beamte, Richter, reiche Kaufleute und Adelige.  Auch die alte Volksschule hatte dort ihren Sitz. Wir besichtigten den Widum, einstmals ein Palazzo mit prunkvollem  Stiegenhaus, Freitreppe, Wandmalereien und einem Festsaal mit bemalter Holzdecke. Am oberen Ortsende, wo die alte Straße Richtung Fleimstal beginnt, befand sich die alte Poststation (Gast. Zur Post) und das Seeber Haus, wo einst der „Zehent“ an die Obrigkeit eingehoben wurde. Die Ansitze Baron Longo Liebenstein und Griesfeld  säumen den weiteren Weg.        Auf dem Rückweg zu den unteren Lauben betrachteten wir die Häuserfassaden mit ihren Erkern und Wandmalereien, die verschiedenen Brunnen, die offene Ritsch (Abwasserkanal), welche früher durch das ganze Dorf floss. Wir erfuhren von Hochwasserkatastrophen, von denen Neumarkt immer wieder heimgesucht wurde und von Seuchenplagen wie Pest und Cholera. Beim „Museum für Alltagskultur“, die derzeit deine Sonderausstellung  zur Seidenraupenzucht (einst wichtiger Wirtschaftszweig im Unterland)zeigt, beendeten wir die äußert interessante Zeitreise durch Neumarkt.                           

Wir bedanken uns herzlichst bei Frau Berta Linter für diesen lehrreichen und interessanten Sommerabend.

 

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