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Freitag, 14 Oktober 2022

Wir Bäuerinnen: bewegt. berufen. begeistert

Das Rollenbild der Bäuerin hat sich geändert: Die Bäuerin heute geht ihrer Arbeit außerhalb des Hofes nach, hat ihr eigenes Geld, trägt damit aber wesentlich zur Existenzsicherung des Hofes bei und ist zunehmend Betriebsleiterin. Dies zeigt die vierte landesweite Bäuerinnenumfrage.

Die Bäuerinnen hörbar und sichtbar machen: Das macht die Südtiroler Bäuerinnenorganisation am Welttag der Landfrauen am 15. Oktober mit der Bäuerinnenumfrage 2022 und dem 15-jährigen Jubiläum der Auszeichnung Bäuerin des Jahres. Rund 700 Bäuerinnen aus allen Landesteilen und aus allen Alterskategorien beteiligten sich an der Umfrage. Die Ergebnisse wurden heute (14.10.2022) in Bozen auf dem Weingut Schmid Oberrautner vorgestellt.

Petra Oberhollenzer, Masterstudentin und Bäuerin aus Sarntal, präsentierte einige Ergebnisse. Ganz voran stellte sie die große Begeisterung für den Beruf: Über 97% der Bäuerinnen haben Freude mit dem Beruf Bäuerin. „Dieser Wert hat sich über all die Jahre nicht verändert und gibt Zuversicht, dass der Beruf Bäuerin nach wie vor attraktiv bleibt,“ freut sich Oberhollenzer. Vor allem die Naturverbundenheit, die Selbstständigkeit, die Freude an der Landwirtschaft, die freie Arbeitseinteilung, aber auch die Selbstversorgung erleben die Bäuerinnen sehr positiv.

Trotzdem klaren Bekenntnis zum Beruf Bäuerin stehen die „neuen Bäuerinnen“ vor großen Herausforderungen. Immer weniger Höfe werden in Vollerwerb geführt. Waren es 2002 noch knappe 62% so sind es im Jahr 2022 nur noch ca. 40%. In der Grünlandwirtschaft sind die Entwicklungen noch deutlicher. Während 66% der Betriebe mit Intensivkulturen noch in Vollerwerb arbeiten, sind es bei Betrieben mit Grünlandwirtschaft nur noch ca. 30%.

Für Landesbäuerin Antonia Egger steht fest: „Viele Höfe tun sich wirtschaftlich schwer, immer mehr Bäuerinnen müssen auswärts arbeiten gehen, um die Existenzsicherung des Hofes zu garantieren.“ 70% der Bäuerinnen eines Grünlandbetriebs geben an, der nicht-landwirtschaftliche Beruf ist für die Existenzsicherung des Hofes notwendig. Nur knapp 30% der Bäuerinnen machen es zur Selbstentfaltung. Bei den Intensivkultur-Betrieben schaut es ein bisschen anders aus, aber selbst da gehen knapp 45% auswärts arbeiten, um den Weiterbestand des Hofes zu ermöglichen. „Man erkennt die wichtige Rolle, welche die Frauen beim Erhalt der Höfe haben“, so die Landesbäuerin Antonia Egger.

Dass Bäuerin-Sein ein Beruf ist, zwar vielfältig und mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen, zeigten die anwesenden Bäuerinnen des Jahres, die die Ergebnisse der Umfrage mit ihren Erfahrungen untermauerten, z.B. Anna Maria Herbst Köhl vom Lehrnerhof in Deutschnofen, die erste Bäuerin des Jahres im Jahre 2008, bestätigte das veränderte Rollenbild: „Entscheidungen auf dem Hof werden heute vielfach gemeinsam getroffen. Vieles hat sich geändert, Männer beteiligen sich an der Kindererziehung, Frauen sind berufstätig, das sind keine Ausnahmen mehr.“ Und doch lastet der Hausarbeit mehrheitlich immer noch alleine auf den Schultern der Frauen. Dass sich das traditionelle Rollenbild doch langsam auflockert, zeigt die Zahl der Betriebsleiterinnen, sie ist zwar noch immer gering, jedoch im Steigen. Im Jahr 2002 waren es ca.12%, im Jahr 2022 sind es bereits ca. 20% der Betriebe, die eine Betriebsleiterin haben.

Zwei Drittel der Bäuerinnen sieht die Zukunft ihres Betriebes positiv. Ein Drittel rechnet mit weniger positiven oder gar negativen Zukunftsaussichten für ihren Betrieb. Auf die Frage nach den Gründen für die negativen Aussichten wurde mit Abstand das „nicht stimmige Verhältnis zwischen Aufwand und Verdienst“ am häufigsten genannt. Die niedrige Wirtschaftlichkeit des Hofes steht an zweiter Stelle.

Margareth Hofer Vanzetta, Bäuerin des Jahres 2022, hat sich ganz bewusst für den Beruf Bäuerin entschieden und den Gogerer Hof im Jaufental auf Leibrente gekauft. Leben am Hof als Bäuerin heißt das für sie: Frühmorgens aufstehen und abends müde ins Bett zu fallen. Sich täglich Sorgen zu machen, ob man die nächste Rechnung begleichen kann. Hoffen auf gutes Wetter und Glück im Stall und auf dem Feld. Trotzdem sagt sie: „Zukunft ist, was wir draus machen!“

Und gar einige Bäuerinnen blicken trotz allem der Zukunft positiv entgegen: Fast ein Drittel der Bäuerinnen gab an, eine Veränderung zu planen. „Wir sind überzeugt, dass die Bäuerinnen da mitreden und mitumsetzen und das ist eine gute Nachricht“, kommentiert Antonia Egger. Ein überraschendes Ergebnisse. Die Bäuerinnen, die in den nächsten fünf Jahren einen Zuerwerb planen, denken vor allem an eine soziale Dienstleistung (Schule am Bauernhof, Kinderbetreuung, Seniorenbetreuung, Bäuerinnen-Dienstleisterin), dann Urlaub auf dem Bauernhof und Direktvermarktung.

Insgesamt ist die Wirtschaftlichkeit vor allem für die Grünlandbetriebe jedoch sehr belastend. „Die Existenzängste und Sorgen der Bäuerinnen sind ernst zu nehmen. Vor allem die Berglandwirtschaft muss auf eine besondere Vorzugsschiene gestellt werden“, fordert Antonia Egger. Ihr ist es wichtig, dass auch die Öffentlichkeit und vor allem die Entscheidungsträger in der Politik die Realität auf den Höfen sehen. Bei allen Sorgen und Schwierigkeiten gibt es allerdings einen Aspekt, der die Landesbäuerin Egger zuversichtlich stimmt: „Die große Begeisterung der Bäuerinnen für ihren Beruf“!

Schwester Miriam, Vorstandsmitglied der Stiftung Südtiroler Sparkasse, die die Auszeichnung „Bäuerin des Jahres“ finanziell unterstützt, gratulierte den Bäuerinnen des Jahres zum 15-jährigen Jubiläum: „Durch die Auszeichnung erfahren die Bäuerinnen Wertschätzung, die sie sich verdienen“! Die Bäuerin heute ist ausgebildet, geht ihrer Arbeit außerhalb des Hofes nach, hat ihr eigenes Geld, trägt zur Existenzsicherung des Hofes bei, ist zunehmend Betriebsleiterin, ist nach wie vor für die Hausarbeit zuständig, teilt jedoch die Kindererziehung zunehmend mit dem Bauer, interessiert sich für Sport, dafür weniger für Handarbeit, ist naturverbunden, liebt die Eigenständigkeit, ist doch oft körperlich und psychisch überlastet, sieht der Zukunft eher positiv entgegen - weil sich sie sich trotz großen Herausforderungen vorwärts bewegt, sie sich berufen fühlt und das Leben am Hof sie begeistert.

Alle Ergebnisse der Bäuerinnenumfrage finden Sie unter www.baeuerinnen.it

Bild 1©SBO: Landessekretärin Silke Mock, Landesbäuerin Antonia Egger und Petra Oberhollenzer, Bäuerin und Masterstudentin.

Bild 2©SBO: Einige Bäuerinnen des Jahres mit den Ehrengästen

Bild 3©SBO. Landesbäuerin Antonia Egger zeigt die Vielfalt der Bäuerinnen und ihre Veränderung im Laufe der Zeit auf

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