8. Südtiroler Krapfenfest
Sonntag, 6. September 2026 ab 11:30 Uhr

Am Sonntag, 6. September 2026, steht Kuppelwies ganz im Zeichen einer beliebten Südtiroler Spezialität: Beim 8. Südtiroler Krapfenfest präsentieren Bäuerinnen aus allen Landesteilen ihre traditionellen Krapfenvariationen. Ob mit Mohn, Marmelade, Kastanien oder anderen regionalen Füllungen – jedes Rezept erzählt ein Stück Südtiroler Genuss- und Traditionsgeschichte.
Ab 11.30 Uhr können Besucherinnen und Besucher an der Talstation der Schwemmalmbahn den Bäuerinnen bei der frischen Zubereitung über die Schulter schauen und sich durch die vielfältige Krapfenwelt kosten. Veranstaltet wird das Fest von der Tourismusgenossenschaft Ultental/Proveis, dem Ski- und Wandergebiet Schwemmalm sowie der Südtiroler Bäuerinnenorganisation.
Die Vielfalt und Geschichte der Südtiroler Krapfen
Kaum ein Gericht steht so sehr für die bäuerliche Küche Südtirols wie der Krapfen. Was heute auf Märkten, Dorffesten und in Gasthäusern angeboten wird, hat seinen Ursprung in einer Zeit, in der aus wenigen Zutaten nahrhafte Speisen entstehen mussten. Mehl, Eier, Milch oder Wasser sowie etwas Fett bildeten die Grundlage für ein Gericht, das sich über Generationen hinweg weiterentwickelte und bis heute nichts von seiner Beliebtheit verloren hat.
Die Geschichte der Südtiroler Krapfen reicht mehrere Jahrhunderte zurück. Bereits in alten Kochbüchern und handschriftlichen Rezeptheften finden sich Hinweise auf gefüllte oder ungefüllte Teigtaschen, die in Schmalz ausgebacken wurden. Besonders auf den Bauernhöfen gehörten Krapfen zu den Festtagsspeisen. Sie wurden bei der Ernte, an kirchlichen Feiertagen, Hochzeiten oder zur Kirchtagsfeier zubereitet. Das Backen war oft Gemeinschaftsarbeit: Mehrere Generationen standen gemeinsam in der Küche, rollten den Teig aus, bereiteten die Füllungen vor und hüteten aufmerksam den Kessel mit heißem Fett.
Gerade die Vielfalt macht den Südtiroler Krapfen so besonders. Je nach Tal und Dorf haben sich unterschiedliche Rezepte entwickelt. Im Pustertal sind die sogenannten Tirtlan weit verbreitet – dünne, knusprige Krapfen, die traditionell mit Spinat und Topfen, Kartoffeln oder Sauerkraut gefüllt werden. Im Eisacktal und im Wipptal finden sich Varianten mit Kraut, Fleisch oder Graukäse, während im Vinschgau häufig Mohn-, Kastanien- oder Kartoffelfüllungen verwendet werden. Daneben gibt es süße Krapfen mit Marillenmarmelade, Preiselbeeren, Mohn oder einer Füllung aus Topfen und Rosinen. Jede Familie bewahrt dabei oft ihr eigenes Rezept, das von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Auch die Form unterscheidet sich. Manche Krapfen werden besonders dünn ausgezogen und erhalten beim Backen ihre typische große Luftblase in der Mitte, andere bleiben flacher oder werden halbmondförmig verschlossen. Gemeinsam ist allen die sorgfältige Handarbeit, die viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl verlangt.
Heute erleben Südtiroler Krapfen eine Renaissance. Neben traditionellen Rezepten entstehen neue Interpretationen mit saisonalen und regionalen Zutaten. Köchinnen und Köche verbinden überliefertes Wissen mit moderner Küche, ohne den ursprünglichen Charakter zu verlieren. Gleichzeitig engagieren sich Bäuerinnen, Vereine und Gastronomiebetriebe dafür, die alten Rezepte und Zubereitungstechniken zu bewahren.
So sind Südtiroler Krapfen weit mehr als eine regionale Spezialität. Sie erzählen von der Geschichte eines Landes, von sparsamer Kochkunst, von familiären Traditionen und vom Reichtum regionaler Zutaten. Jeder Krapfen ist ein kleines Stück gelebter Kultur und zeigt, wie eng Genuss, Brauchtum und Heimat in Südtirol miteinander verbunden sind.