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Vital und bäuerlich

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Vital und bäuerlich

Bäuerinnen-Brotzeit: „gsund und guat“ – So heißt eine Variante der Marende, die die Brotzeit-Bäuerinnen der Südtiroler Bäuerinnenorganisation zusätzlich zum bäuerlichen Buffet ihren Kunden anbieten. Die vegetarische Alternative ist gleichzeitig ein schöner Blickfang fürs Auge: Das farbenfrohe Buffet, der Duft nach frisch zubereiteten Speisen und die besondere Präsentation laden zum Genießen ein. Was dabei auf den Teller kommt, weiß Brigitte Zöschg Hofer, Brotzeit-Bäuerin vom Stegerhof in Flaas.

Frau Zöschg, Sie sind Bäuerin. Eine bewusste Berufsentscheidung?

Ja, eigentlich schon. Mein Mann und ich sind ursprünglich keine Landwirte. Vor zehn Jahren pachteten wir den Stegerhof in Flaas. Vorher arbeitete ich in der Verwaltung, mein Mann war und ist immer noch Metzger. Ich weiß noch, wie überrascht wir damals waren, welche Organisation so ein Bauernhof benötigt und wie viel Arbeit darin steckt. Wir mussten uns erst so langsam einarbeiten und haben uns dann auch für Schule am Bauernhof entschieden.

Was können die Schüler auf Ihrem Hof entdecken?

Im Rahmen von Schule am Bauernhof können Schulklassen unseren Bauernhof besuchen, Brotbacken, Schafwolle verarbeiten, Kräuter entdecken und die Tiere kennenlernen. Auf unserem Hof leben viele vom Aussterben bedrohte Tierrassen: Grauvieh und Pusterer Sprinzen, schwarzbraune Bergschafe, ungarische Zackelschafe, Jakobsschafe, Appenzeller Spitzhaubenhühner, Lackenfelder und die Tiroler Hühner, aber auch Tiroler Bergschafe, Milchschafe, Kaninchen, Esel, Wachteln, Enten, Pfaue und Hauskatzen. Die Tiere sind für die Kinder immer etwas Besonderes.

Sie haben auch eine Hofschänke eröffnet?

Ja, ich habe im Vorfeld einige Kochkurse und den Lehrgang für Alm-, Hof- und Buschenschänke besucht. Anfangs gab es einfache Speisen wie Spiegeleier mit Speck. Wir haben uns aber weiterentwickelt. Dann habe ich entschlossen, die Brotzeit-Bäuerinnen-Ausbildung zu machen. Da habe ich sehr viel gelernt und konnte von nun an wie ein Catering arbeiten.

Was macht Ihnen beim Kochen am meisten Spaß?

Am meisten das Ausprobieren. Und die Freude darüber, wenn etwas gelungen ist und die Gäste zufrieden sind. Oft gibt es natürlich auch Engpässe und es geht stressig zu, vor allem dann, wenn die Gäste schon vor der Tür stehen und ich noch nicht fertig bin, oder wenn etwas absolut nicht so werden will, wie ich es mir vorgestellt habe. Das macht dann natürlich weniger Spaß. Doch ich kann kreativ sein, ich kann Neues erproben, ich kann meiner Fantasie freien Lauf lassen, sowohl bei der Verwendung von Produkten als auch bei der Präsentation der Speisen.

Was kommt bei Ihnen als Anbieterin der „Bäuerinnen-Brotzeit: gsund und guat“ Brotzeit auf den Tisch?

Für bedeutet „gsund und guat“ natürliche, saisonale und regionale Lebensmittel zu schmackhaften, leichten Gerichten zu verarbeiten wie hausgemachtes Brot, selbstgemachte Aufstriche, Gemüseburger, Müslis mit Joghurt- bzw. Topfencremes. Es gibt so vieles, was man mit den eigenen Produkten herstellen kann.

Was ist der Unterschied zum bäuerlichen Buffet?

Die „Bäuerinnen Brotzeit: gsund und guat“ bietet keine Fleisch- und Wurstwaren, keine mit Zucker gesüßten und fetten Speisen an und ist damit eine Alternative zur traditionellen Marende. Dabei wird viel mit Vollkorn-Mehl, Obst, Gemüse und Milchprodukten gekocht. Sie sind auch in den Schulen unterwegs und zwar mit dem Projekt „Mit Bäuerinnen wertvolle Lebensmittel erleben“.

Worum geht es?

Ich gestalte als Brotzeitbäuerin in Zusammenarbeit mit Berater im Bereich Gesundheitsförderung an einer Grundschule drei bis vier Einheiten: Die Kinder dürfen in dieser Zeit mit mir vollwertige Gerichte herstellen. Beim Brotbacken, Kräuterbutter oder Müsliriegel herstellen, können die Kinder selbst tätig werden und sie erfahren dabei wieviel Mühe, Zeit und Arbeit in den Produkten steckt. Dadurch entsteht eine Beziehung zum Lebensmittel und mit dieser die Wertschätzung dafür. So wird das anschließende gemeinsame Genießen ein Erlebnis, das lange in Erinnerung bleibt.

Was ist das Besondere am Projekt?

Die Kinder und Jugendlichen sind offen für Neues. Sie entwickeln schnell Freude, wenn sie selbst Schaffen und Anpacken dürfen. Das Projekt ist deshalb auch nachhaltig, weil die Kinder nach Hause gehen und dort den Eltern stolz zeigen, was sie gelernt haben. Mir ist wichtig, dass die Kinder lernen, welche Inhaltsstoffe in den einzelnen Zutaten enthalten sind und warum man diese essen soll – wie Vitamine, Mineralien, Fette usw. Sie sollen Freude und Interesse am Kochen bekommen, dann lernen sie fast von selbst, was ausgewogene Ernährung bedeutet.

Was ist Ihnen bei der Wahl der Lebensmittel wichtig?

Mir ist vor allem wichtig, dass Lebensmittel schonend hergestellt werden. Und natürlich lege ich besonderen Wert auf Saisonalität und Regionalität. Das gehört zu einem hochwertigen Produkt einfach dazu.

Welche Lebensmittel produzieren Sie selbst?

Unser Hof befindet sich auf fast 1500 m Meereshöhe, da wächst nicht alles. Trotzdem haben wir einen schönen Gemüsegarten mit Salat, Kohl, Kürbis, Zucchini und vielem mehr. Wir erzeugen auch Lamm-, Rind- und Schweinefleisch und haben natürlich Eier. So gelingt es uns, aus unseren eigenen Produkten tolle und nahrhafte Gerichte zu kreieren. Wir brauchen nicht immer alles, wir brauchen aber naturbelassene und nachhaltige Lebensmittel: darauf kommt es an!

 

Veröffentlicht in der DiVita Zeitung im Dezember 2018 - siehe Anhang zum Herunterladen