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"Kräuter sind meine Leidenschaft"

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"Kräuter sind meine Leidenschaft"

Mit großem Respekt vor Mensch und Natur gibt Bäuerinnen-Dienstleisterin Jutta Tappeiner Ebner vom Kräutererbe - Bacherhof in Nals ihr Kräuterwissen weiter. Ob Kräutersalben rühren, eine Tinktur ansetzen, Duftkräuter destillieren, Teemischungen verkosten, einen Wildkräuterspaziergang erleben, regionale Kräuterspezialitäten zubereiten: Das zeigt die Hof- und Gartenführerin, Kräuterpädagogin, Kneippgesundheitstrainerin, Heilpraktikerin sowie Expertin für Naturkosmetik. Was finden wir alles in ihrem Garten? In meinem kleinen Paradiesgartele finden Sie neben vielen alten Gemüsesorten, Wildkräuter und wunderschöne essbare Blüten. Die meisten dieser Wildpflanzen werden im Garten ungern gesehen, mit viel Mühe bekämpft und als „Unkräuter“ beschimpft. Für mich haben alle Pflanzen einen Sinn: das Wildgemüse, die Wildfrüchte, die Würzkräuter, die Heilkräuter und nicht zuletzt die schönen Blumen!

 

Sie haben sich auf Kräuter spezialisiert. Wie kam es dazu?

Meine Mutter hütete in der Küche einen besonderen Schrank, der mit verschiedensten Kräutern bestückt war; sie sagte immer: „Fir a jede Kronkat isch a Kreitl gwochsn“. Meine Mutter war es auch, die ihre kostbaren freien Minuten am Abend damit verbrachte, in Kräuterbüchern zu stöbern und mir so die Neugierde und die Freude an Kräutern mit auf meinen Lebensweg gegeben hat. Über dieses Erbe bin ich ihr unendlich dankbar. Schon mit 17 Jahren begann ich selbst schöpferisch zu werden: Daheim in der Küche rührte ich meine ersten Salben, setzte Tinkturen und Öle an, probierte aus und entdeckte.

Was ist das Besondere an den Kräutern?

Kräuter und insbesondere Wildkräuter sind so vielfältig. Von der Kulinarik über die Volksmedizin, von der Schönheit bis hin zum Gestalten und Dekorieren mit Kräutern. Die Volksmedizin – um ein Beispiel zu nennen – wusste es schon seit langem: Kräuter entgiften und vitalisieren. Heute wissen wir, das Blattgrün Chlorophyll unserem roten Blutfarbstoff ähnlich ist und versorgt unsere Zellen mit Sauerstoff, die Ballaststoffe (Pflanzenfasern) „putzen“ zudem den Darm und binden Toxine und die Bitterstoffe unterstützen unsere Verdauungssäfte.

Lassen sich diese zwei Bereich gut miteinander verbinden?

Wildkräuter sind nichts anderes als Pflanzen, die nicht vom Menschen kultiviert wurden und noch alle Vitalstoffe, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundären Pflanzenstoffe (bioaktive Pflanzenstoffe) der ursprünglichen kraftvollen Wildpflanze enthalten. Wildkräuter sind voll bepackt mit Vitalstoffen und gelten in der Volksheilkunde seit Jahrhunderten als Apotheke der armen Leute. Für die heutige Zeit würde ich diese Aussage anders formulieren: „Wild-Kräuter bereichern jeden Bauerngarten und sind eine wertvolle Ergänzung für die Hausapotheke der weisen Leute.“

Welches ist Ihr Lieblingsgemüse, Ihr Lieblingskraut?

Ich liebe den Löwenzahn mit seinen wertvollen Bitterstoffen, den Spitzwegerich, dessen Knospen wie Champignon schmecken, die Vogelmiere mit ihren kleinen sternförmigen Blüten, ein köstliches Wildgemüse und den Giersch mit seinem leichten Petersilien/Möhren-Aroma... Ich tu mich schwer mich für ein Lieblingskräutlein zu entscheiden: Knospen, Sprossen, Blätter, Blüten und Wurzeln, ich liebe sie alle.

Mit Kräutern und Blumen kann man/frau vieles machen oder?

Ja, auf alle Fälle. Kräuter und Blumen tun unserem Auge und unserer Seele gut. Zurzeit blüht die Königskerze, schon der Anblick dieser leuchtend gelben Blüten erhellt unser Gemüt, ebenso wie die Ringelblume oder die Johanniskrautblüten. Blüten und Kräutern zaubern nicht nur ein Lächeln auf die Lippen und verwandeln jedes Essen zu einem Augenschmaus, sie verändern und bereichern auch den Geschmack und die Textur eines Gerichtes oder eines Getränkes: Ein paar Kräuterstängel (Zitronenverbene, Apfelminze und Rosenmonarde) mit den Scheiben einer Bio-Zitrone verzaubern unser Wasser zu einem aromatischen Durstlöscher. Kräuter und Blumen zu einem Kranz oder zu einem Kräuterstab gebunden (siehe Anleitung Kräuterbündel) eignen sich als duftendes Wohnaccessoires oder zu Räucherungen im Freien.

Sie verfolgen mit ihrer Tätigkeit am Hof auch ein übergeordnetes Ziel?

Ja, ich sehe die Natur als unsere Lebensgrundlage. Ich bewundere die ökologischen Zusammenhänge und wertschätze die Biodiversität. Nach dem Motto: „Das was ich schätze und kenne, werde ich schützen und achtsam damit umgehen“. Damit möchte ich im Sinne der Nachhaltigkeit auch einen aktiven Beitrag zum Naturschutz leisten.

Was möchten Sie gerne durch Ihre Arbeit als Hof- und Gartenführerin weitergeben?

Mein Anliegen ist eine sinnvolle Verknüpfung von Tradition und Moderne. Ich möchte dazu beitragen, dass die alten Rezepturen und Kräuteranwendungen, sowie die alten Bräuche erhalten bleiben und dazu anregen, vergessene Naturrituale wie das Räuchern mit einheimischen Kräutern und Harzen wieder zu beleben.

 

Veröffentlicht in der DiVita Zeitschrift im Oktober 2017 - siehe Anhang zum Herunterladen