Kartoffel: nahrhaft und gesund
Kartoffel: nahrhaft und gesund
Die Kartoffel, im Volksmund auch Erdäpfel genannt, ist schon lange unverzichtbares Grundnahrungsmittel. Die brauen Knolle kam erst in der Neuzeit aus Südamerika nach Europa. Die Bäuerinnen-Dienstleisterin Martina Maria Irsara vom Kerschbaumerhof in Prettau ist mit dem Kartoffelanbau aufgewachsen und als Bäuerinnen-Botschafterin der Kartoffel in Schulen und bei Veranstaltungen unterwegs. Auch gibt sie als Bäuerinnen-Referentin Koch- und Backkurse in denen sie Geheimtipps zur Kartoffelküche gibt.
R: Warum sind Sie Kartoffel-Botschafterin?
M: Schon mein Vater hat auf dem Stegerhof in St. Lorenzen Kartoffeln angebaut. Ich erinnere mich noch genau daran, wie er die Erdäpfel mit Pflug und Pferd aus der Erde geholt hat. Als Kinder mussten wir hinterherlaufen und die Kartoffeln einsammeln. Ich empfinde es als großes Privileg auf einem Bauernhof aufgewachsen zu sein. Ich lernte nicht nur viel über den Kartoffelanbau, sondern über die Mutterkuh- und Hühnerhaltung, die Schweinezucht, die Fleischverarbeitung, die Feldarbeit und den Gartenbau. Dieses Wissen gebe ich gerne weiter.
R: Welche Kindheitserinnerungen verbinden Sie mit der Kartoffel?
M: Wir waren sechs Geschwister, und alle mussten von früh bis spät mitanpacken. Auch wenn wir abends nur noch Erdäpfel gesehen haben – eigentlich war das Ernten gar nicht so schlimm. Die Familie war immer beieinander auf dem Acker, so hatten wir es recht nett. Die Stauden wurden mit der Sense abgemäht, zusammengerechnet und anschließend abgebrannt. Auf dem Acker gab es viele Mäuse, so habe ich einmal meinem Onkel eine in die Hose gesteckt. Der hat geschimpft (lacht)! Meistens hatten wir es sehr lustig trotz der strengen Arbeit.
R: Wie funktioniert der Kartoffelanbau?
M: Zuerst wird der Acker bebaut und geeggt. Die Kartoffeln werden bei uns in St. Lorenzen Ende März bis Anfang April angepflanzt. Früher grub man mit dem Pflug Furchen in den Acker, legte die Saatkartoffeln in Abständen hinein und häufte Erde darauf. Im Pustertal nennt man das „haifln“. Durch die Furchen bleibt das Regenwasser liegen und die Pflanze erhält genügend Wasser. Geerntet werden die Kartoffeln bei uns ab Mitte August bis September, je nach Sorte und Witterung. Auf kleineren Betrieben wird das vielfach noch händisch gemacht, auf größeren Betrieben kommt die „Vollerntemaschinen“ zum Einsatz.
R: Was ist Ihr Ziel als Kartoffel-Botschafterin?
M: Es ist mir wichtig, den Leuten so viele Informationen wie möglich zu vermitteln. Sie sollen verstehen, warum es so wichtig ist, regional einzukaufen: Kartoffeln kann man nämlich sehr lange lagern, wenn man den geeigneten Platz dazu hat. Dann kann man ruhig beim Bauern aus der Nachbarschaft zur Erntezeit größere Mengen einkaufen und muss nicht schon im Januar auf Erdäpfel aus Spanien oder Zypern zurückgreifen.
R: Warum ist die Kartoffel ein so wichtiges Lebensmittel?
M: Sie ist ein wichtiger Energielieferant, also ein Kraftspender und somit ein Grundnahrungsmittel. Während Kriegszeiten war die Kartoffel immer sehr begehrt. Und viele in der Umgebung haben in dieser Zeit von der Kartoffel gelebt bzw. überlebt, gerade, weil sie so gesund und nahrhaft ist. Sie ist nicht teuer, schmeckt gut und ist vielfältig anwendbar – ob als Vor-, Haupt- und Nachspeise, sie ist in allen möglichen Varianten genießbar.
R: Sind die Erdäpfel auch gesund?
M: Ja, sehr. Sie bestehen aus Wasser und Stärke, enthalten Proteine, Mineralsalze wie Calcium und Natrium und viel Vitamin-B und C. Auf Schiffen wurden Kartoffeln früher zusammen mit Citrusfrüchten und Sauerkraut als Skorbut-Vorsorge mitgeführt. Sie wirken gesund und heilsam, machen nicht dick und vor Blutzuckerschwankungen braucht man nach dem Verzehr keine Angst zu haben. Aber natürlich kommt es immer auf die Verarbeitung an: Isst man fettige Pommes oder Chips, ist das dementsprechend ungesund.
R: Ist die Kartoffel auch als Heilmittel gegen Krankheiten verwendbar?
M: Ein Heilmittel bei Magenbeschwerden wie Sodbrennen ist der frischgepresste Kartoffelsaft. Dafür werden die Kartoffeln gepresst und 200 ml pro Tag über einen längeren Zeitraum getrunken. Gegen Magen-Darm-Beschwerden mit Durchfall hilft Kartoffelbrei, welcher ohne Milch zubereitet wird. Die Kartoffelstärke bindet nämlich Säuren und Gifte und wirkt beruhigend. Man kann ganz wunderbar Kartoffel-Quark-Wickel machen. Dafür muss man die Kartoffeln kochen, zerdrücken und Topfen daruntermischen. Der Wickel hilft bei Halsschmerzen, eignet sich aber auch für Rheumapatienten. Kalte Wickel aus rohen, gewaschenen Kartoffeln mit Schale wirken entzündungshemmend und sind deshalb bei Verstauchungen und Mückenstichen geeignet. Einfach die rohen Erdäpfel auf die Haut drücken.
R: Was sind deine Lieblingsrezepte mit Kartoffeln?
M: Mein Lieblingsrezept ist der Kartoffelteig. Damit kann ich viele verschiedene Gerichte zaubern. Meine persönlichen Favoriten sind Gnocchi und Marillenknödel. Aber auch Kartoffelteigtaschen liegen mir. Die man auch ganz toll mit Naturfarbstoffen einfärben kann, zum Beispiel mit Spinat oder Rote Beete. In meinen Kursen zeige ich auch gerne ein paar typisch pustrerische Rezepte wie Erdäpfelplattlen.
Veröffentlicht in der DiVita Zeitschrift im März 2018 - siehe Anhang zum Herunterladen