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Heuduft - wohliger Duft nach Heimat

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Heuduft - wohliger Duft nach Heimat

Freude an der Natur wecken und den Blick auf die schönen Dinge im Wald und auf die Wiese richten: Das möchte Johanna Larcher Heidenberger vom Rechtlechnerhof in Schalders bei Vahrn. Mit großer Leidenschaft zeigt die Bäuerinnen-Dienstleisterin was mit Heu gestaltet werden kann. Ob Tür- und Wandschmuck für den Innen- und Außenbereich, Kränze, Kugeln, Rahmen für Bilder: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Johanna liebt auch das Gestalten mit Rinden, Moos und Baumflechten. Den Duft des Waldes ins Haus holen: Warum nicht?

 

1. Kreatives Gestalten mit Naturmaterialien: Was ist das Besondere daran?

Die Naturmaterialien sind einzigartig in ihrer Art und Weise. Es gibt keine zwei gleichen Stücke in der Natur zu finden und das ist immer wieder Anlass zu neuen Inspirationen. Je einzigartiger das Grundmaterial, umso einzigartiger sind auch die Bastelsachen. Materialien sind im Wald, im Garten und auf der Wiese überall zu finden. Man muss nur hinschauen und die Schönheit der einfachen Dinge entdecken - die Natur ist reich an kleinen Schätzen.

2. Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich bin auf einem einsam gelegenen Hof hoch oben in den Bergen aufgewachsen. Zum Teil habe ich meinen Eltern bei der Arbeit geholfen oder ich habe im angrenzenden Wald gespielt. Dabei war ich stets mit einem Schnitzmesser und ein paar Seilen ausgerüstet. Ich konstruierte Baumhäuser, baute Fallen für „gefährliche Tiere“ oder spielte mit den „Tschurtschen“. Bereits damals habe ich mit den Naturmaterialien viel ausprobiert und so manche kreative Bastelei zusammengebaut. Auch später habe ich in meiner Freizeit viel gebastelt. Bei meiner Arbeit als Kindergärtnerin habe ich auch immer wieder die Möglichkeit, mit den Kleinen zu basteln. Auch zu Hause am Hof nutze ich die Gelegenheit, drinnen und draußen mit Naturschätzen zu dekorieren.

3. Wie kann man im Winter kreativ sein, welche Materialien stehen zur Verfügung?

Der Winter bietet nicht viele Materialien, die man „frisch“ aus dem Wald holen kann. Deshalb muss man besonders von Frühjahr bis Herbst Naturmaterialien sammeln, z.B. Blumen trocknen und bei Spaziergängen stets eine Tasche mitnehmen, um eventuell etwas Gefundenes mit nach Hause zu nehmen. Im Winter kann man sehr gut mit Heu und Moos arbeiten. Das Moos kann man im Herbst holen und trocken im Dunkeln lagern, dann hält es bis zum Frühjahr. Möchte man mit Holzscheiben kreativ arbeiten, müssen diese im Sommer geschnitten werden, denn sie müssen sehr gut austrocknen. Im Herbst bietet sich an, einen Tischschmuck auf einer Baumrinde zu gestalten und später etwas für das Grab zu Allerheiligen zu fertigen. In der Weihnachtszeit sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt: von der kleinen Waldkrippe über die Mooskugel bis hin zum Heustern ist alles möglich. Für Fasching kann man ein paar lustige Holzfiguren fabrizieren, und zu Ostern ist ein Hase aus Heu ein willkommenes Geschenk. Der Frühling bringt wieder die Blumen, aus denen bunte Kränze kreiert werden können…um einige Bastelideen zu nennen.

4. Sie geben Ihr Können gerne weiter, was ist das Schöne daran?

Ich gebe Kurse, da ich den Teilnehmern die Freude bereiten möchte, etwas Neues zu probieren. Die Teilnehmer erlernen eine Grundtechnik, die sie zu Hause nachmachen und weiterentwickeln können. Ich möchte in den Teilnehmern die Freude an der Natur wecken, mit der sie achtsam umgehen sollten und damit sie ihren Blick neu ausrichten auf die schönen Dinge im Wald und auf der Wiese. Auch der Austausch mit den Kursteilnehmern ist mir wichtig, sie schenken mir immer wieder neue Inspiration - ich staune oft über ihre Kreativität. Viele erkennen: Etwas Selbstgemachtes ist mit Geld nicht aufzuwiegen, denn ich habe Zeit, Energie, Freude und viel Herz hineingesteckt. Am Ende nehmen die Teilnehmer meist mit viel Stolz ihr Werkstück mit.

5. Warum arbeiten Sie am liebsten mit Heu?

Das Heu habe ich immer griffbereit. Es ein Material, das vielfach formbar ist, von meiner Wiese kommt und „nichts“ kostet. Beim Gestalten mit Heu werden alle Sinne angeregt: Ich fühle das feine oder grobe Heu, ich sehe die unterschiedlichen Gräser, die sich im Heu befinden. Dazu muss ich das Heu mit Kraft formen, es knistert beim Arbeiten und es liegt immer der Duft des Sommers in der Luft… der mich aber auch hin und wieder zum Niesen bringt (lacht).

6. Was verbinden Sie mit dem Heuduft?

Wenn ich das Heu rieche, denke ich an die Sommer zu Hause, als ich frei und unbefangen war, wie ich auf die Kühe aufgepasst habe, auf der Wiese gelegen bin und gedankenverloren in den Himmel geschaut und geträumt habe.

7. Also steigert das Kreativsein mit Naturmaterialein auch Ihr Wohlbefinden.

Wenn ich mal ziemlich „gereizt“ bin, sagt mein Mann sogar zu mir: „Du hast doch sicher etwas zum Basteln in der Garage!?“ (lacht). Denn danach kann man wieder mit mir reden. Das Arbeiten mit Naturmaterialien ist für mich fast wie eine Therapie. Ich kann mich auf etwas konzentrieren, was mir sehr große Freude bereitet, mich beruhigt und auf andere Gedanken bringt.

 

Veröffentlicht in der DiVita Zeitschrift im Dezember 2017 - siehe Anhang zum Herunterladen