Das Getreide: ährenvoll und schön
Das Getreide: ährenvoll und schön
Von goldenen Ähren zu knusprig-warmen Brot: Brotbacken ist eine Kunst, an die sich nicht mehr viele wagen. Bäuerin Klara Maria Mair Oberhofer baut selbst Roggen an und ihre Leidenschaft ist es, Brot zu backen - ohne chemische Backhilfsmittel, sorgfältig von Hand verarbeitet und im holzgefeuerten Ofen gebacken. Getreide ist sehr vielseitig, aus Mehl lässt sich allerhand herstellen und selbst altes Brot kann noch zu Knödeln weiterverarbeitet werden. Klara ist auch als Bäuerinnen-Referentin unterwegs und zeigt den Kindern den Weg vom Getreide bis zum Brot auf - für sie eine Herzensangelegenheit.
Klara Maria Mair Oberhofer lebt seit 39 Jahren auf dem Gadnerhof im Weitental und ist Bäuerin mit Leib und Seele. Um ihre Leidenschaft zu regionalen Produkten, besonders zu Milch, Brot und Kräutern, an andere weitergeben zu können, hat sie die Ausbildungen zur Botschafterin bäuerlicher Produkte, zur Referentin für Koch- und Backkurse und zur Kräuterpädagogin absolviert. Als Milchbäuerin weiß sie viel zum Thema Kuh und Milch - von der Haltung der Rinder, der Verarbeitung der Milch bis hin zur Fleischverwertung. Interessierten zeigt sie, wie man selbst Butter, Sahne oder Joghurt herstellt. Als begeisterte Kräuterpäda gogin liebt Klara Wildkräuter und kann daraus vielfältige Köstlichkeiten zubereiten Eine weitere große Leidenschaft von Klara ist das Brot backen. Denn ein alter Spruch lautet: „Milch und Brot macht Wangen rot“ - davon ist sie überzeugt. Der Roggen für das Brot wird am Gadnerhof selbst angebaut: pflügen, eggen, düngen, aussäen, ernten… da vergehen je nach Sorte fast zehn Monate. Für Klara ist es eine Herzensangelegenheit, das bäuerliche Leben weiterzugeben, zu zeigen, wie wertvoll die bäuerlichen Produkte sind und wie viel Arbeit dahintersteckt. Sie möchte den Kindern nahelegen, welche Schritte notwendig sind, bis ein Liter Milch im Supermarkt zum Kaufen bereitsteht. Die Bäuerin ist mit dem Milchschulprojekt und dem Projekt „Mit Bäuerinnen wertvolle Lebensmittel erleben“ in Schulen unterwegs, wo sie den Kindern die Vorteile der Regionalität von Produkten, die dadurch gewonnene Wertschätzung der Bauern als „Landschaftspfleger“ und die Bedeutung für die Umwelt näherbringt. Sie möchte den Kindern zeigen, wo ihr Essen herkommt, das sie jeden Tag zu sich nehmen, damit sie verstehen, warum die Lebensmittel so wertvoll sind - eben auch das Brot.
Frau Oberhofer, sie bauen am Gadnerhof Getreide an?
Ja, wir haben Roggen für unseren eigenen Gebrauch. Wir wollten eigentlich auch Dinkel anbauen, aber dazu braucht man eine bestimmte Menge, damit wir es zum „Entspelzen“ (schälen) abgeben können. Den Dinkel kaufen wir dann und verarbeiten ihn zusammen mit unserem Roggen zu Roggenbrot, Dinkelbrot oder Mischbrot.
Ein Getreidefeld im Jahreskreis ist bestimmt interessant zu beobachten…
Ja, und spannend noch dazu: Roggen oder Wintergetreide sät man im Herbst. Wenn es aufgeht, ist es spannend zu sehen, ob es den Winter überlebt oder nicht. Wenn man dann feststellt, dass die Ären wachsen, ist die Freude natürlich groß. Und das bis zum Schluss. Wenn es reif ist, wird geerntet.
Was passiert nach der Ernte?
Wenn wir bei uns zu Hause das Getreide schneiden, stellen wir es zum Trocknen auf dem Feld zu „Männchen“ auf, damit es trocknen kann. Dann kommt es in den Stadel in die Tenne und im Herbst, wird das Getreide gedroschen. Wir winden es ab und danach ist es bereit zum Mahlen. Mein Mann bringt es zur Mühle und am Ende hält man sein eigenes Mehl in den Händen. Es gehört einfach alles zu dem Zyklus, den man das ganze Jahr über verfolgt.
Wenn Sie an Getreide denken: Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn?
Einfach nur Dankbarkeit - denn wenn man Getreide hat, kann man es vielseitig verwenden und hungert nicht. Wenn ich einen Acker sehe, dann empfinde ich ein überwältigendes Gefühl der Dankbarkeit: man hat etwas, mit dem man sich selbst ernähren und Brot herstellen kann.
Welche heimischen Getreidesorten gibt es?
Bei uns wächst Roggen, Weizen, Dinkel, Gerste, Mais, Buchweizen, letzteres ist ein Pseudogetreide. Einzelne schwören auf das Urkorn. Wer von Urkorn spricht, meint damit alte Getreidesorten wie Emmer, Einkorn und Dinkel. Bei uns wird dann meist Einkorn angebaut. In letzter Zeit bauen einige auch Kamut an.
Sollte man immer auf Vollkornprodukte zurückgreifen?
Nein, ich bin gar nicht so der Vollkornfreak. Ich habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht immer Vollkornprodukte esse. Es nicht einmal gesund für unseren Körper, wenn wir nur Vollkornprodukte zu uns nehmen. Wenn ich Dinkelbrot mache, gebe ich auch Weizenmehl dazu, weil der Dinkel gerne trocken wird. Auch beim Roggenbrot gibt man ein Drittel Weizenmehl hinzu, weil es sonst ziemlich schwer zu verdauen ist. Das Brot geht auch besser auf, wenn Weizen dazu gemischt wird.
Warum ist für Sie das Getreide etwas Besonderes?
Getreide ist einfach ein wichtiges Lebensmittel - ich denke, dass alles, das wächst, seinen Sinn und Zweck hat. Wenn man Getreide hat, kann man so vieles daraus zaubern, nicht nur Brot, sondern auch Knödel, Nocken und so weiter. Und deshalb ist für mich Getreide einfach die Basis für vieles. Ich möchte das Getreide bei uns auf dem Hof nicht missen, es ist nicht nur wertvoll für uns Menschen, sondern auch für die Tiere.
Veröffentlicht in der DiVita Zeitung März 2020 - siehe Anhang zum Herunterladen